FIRE – teurer als erwartet

Hallo zusammen,

dieser Artikel wird sich in meine gesammelten Werke zur Umsetzung und dem Erreichen der finanziellen Freiheit eingliedern. Diese Artikel sind dem vorhergegangen und führen mich jetzt zu diesem Punkt:

Dieser Artikel enthält viele Annahmen und ich erhebe keinen Anspruch auf die Richtigkeit aller Berechnungen.

 

Die Ursprünge

2013 habe ich angefangen zu sparen. 2015 habe ich die ersten Aktien gekauft. Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht spare und investiere, um einfach etwas „auf die Kante“ zu legen. Auch Altersvorsorge war nicht das Ziel. Nein.

Ich wollte finanziell unabhängig bzw. frei werden.

Um das zu erreichen, wusste ich, dass ich ein gewisses Vermögen dafür brauchen würde. Nachdem ich angefangen hatte, mich finanziell zu bilden und mir das nötige Wissen mit Büchern und YouTube anzueignen, bin ich bald über die 4%-Regel gestolpert. Mit dieser Regel habe ich mir dann ausgerechnet, wie viel Geld ich brauche, um finanziell unabhängig zu sein.

Alles, was ich dafür brauchte, war der Betrag, mit dem ich monatlich gut zurechtkomme. Da ich meine Lifestyle-Inflation sehr gut im Griff habe und nur sehr wenig Miete bezahle, hat sich daran in den letzten 13 Jahren nichts geändert. Ich brauche 1.500€ Netto im Monat. (Für zukünftige Meilensteine rechne ich mit 1.650€)

Die 4% Regel hat dann folgendes ergeben:

450.000€ x 4% = 18.000€ = monatlich 1.500€

Ich habe mich damals dazu entschieden, Steuern und das ganze Drumherum erstmal auszublenden. Das wird sich schon alles fügen! Erstmal musste ich also Vermögen aufbauen. 450.000€ hatte ich jahrelang als Zielsumme im Kopf. Wie die finanzielle Unabhängigkeit dann genau umgesetzt werden sollte, war mir erstmal egal.

 

Stand heute

Im Vermögen-aufbauen bin ich ganz passabel geworden, würde ich sagen. An die grundlegenden Regeln habe ich mich meistens gehalten.

  • Geduld

  • diszipliniertes Sparen

  • Diversifikation

  • Hohe Risiken nur mit kleinen Beträgen

  • Gewinner laufen lassen

  • Käufe aus eigener Überzeugung – keinen heißen Tipps folgen

  • In Crashs / Bärenmärkten nachkaufen und nicht verkaufen

  • Erträge und Dividenden reinvestieren

  • das Depot ist unantastbar

Dreizehn Jahre später habe ich dieses Jahr mein damals gestecktes Ziel von 450.000€ erreicht. Das ist ein geiles Gefühl. Allerdings war schnell klar, dass das keine unmittelbare finanzielle Unabhängigkeit zur Folge hat. Mein Depot wirft kommendes Jahr stand heute 10.200€ Dividenden brutto ab. Das sind etwa 650€ netto im Monat. Das sind keine 1.500€.

 

Recheninferno

Dieses Jahr habe ich dann angefangen, mir ernsthaft Gedanken zu machen, wie das in Zukunft laufen soll und was die nächsten Schritte sind. Ich bin über die Jahre ein brauchbarer Investor geworden. Vom Privatier-Dasein verstehe ich aber noch nicht viel. Daher rechne ich jetzt seit Monaten mögliche Szenarien durch und lerne dazu, was alles relevant sein wird. Wenn ich neue Erkenntnisse habe, versuche ich sie dann hier mit euch zu teilen – siehe oben. Das Ergebnis meiner Bemühungen ist, dass es eine gute und eine schlechte Nachricht gibt.

 

Die gute Nachricht

Mein Plan mit der Arbeitszeitreduktion auf 24 Stunden pro Woche scheint zu halten. Sobald ich 1.000€ brutto Dividenden im Monat erreicht habe, kann ich den Einkommensverlust ausgleichen, den ich durch die Reduktion haben werde. Die Dividenden würden das Depot durch Reinvestition weiter aufbauen, während mein Arbeitseinkommen immer noch entspannt zum Leben reicht. Die Sparrate von 600€, die bisher ins Depot fließt, würde dann wegfallen. Die 400€ Sparrate für Urlaub, Anschaffungen und Reparaturen würde bestehen bleiben.

Mein Nettogehalt würde von 2.350€ auf ca. 1.650€ sinken.

Die finanzielle Unabhängigkeit wäre damit nicht erreicht. Ich hätte aber einen gewaltigen Zugewinn an Freizeit. Genug, um meine persönlichen Wünsche besser umsetzen zu können. Das Gehalt läge über meiner Mindestanforderung und mein Depot würde weiter wachsen.

 

Die schlechte Nachricht

Vor 13 Jahren habe ich einige Sachen entweder nicht gewusst oder bewusst ausgeblendet. Diese sind für die richtige und totale finanzielle Unabhängigkeit aber essentiell wichtig.

  1. Steuern

  2. Inflation

  3. Krankenversicherung

Bei den Steuern sehe ich kein so großes Problem. Ich wusste schon früh, dass ich mein Einkommen einmal aus Dividenden beziehen möchte. Deshalb habe ich schon früh in gute Dividendenwerte investiert. Diese habe ich bewusst so ausgewählt, dass ich sie nie wieder verkaufen muss.

Größere Steuern werden also nur anfallen, wenn ich einmal beginnen sollte, meine großen Positionen aus Wachstumswerten umzuschichten. Aber hier gilt – nur mit Gewinnen muss man auch Steuern zahlen. Das gehört einfach dazu.

Die Inflation ist natürlich auch ein Thema. Aber auch hier mache ich mir keine großen Sorgen. Meine Wachstumswerte gleichen die Inflation locker aus, zumindest in der Vergangenheit. Genauso steigern viele meiner Dividendenwerte ihre Ausschüttungen deutlich schneller als die Inflation das Geld entwertet.

Die Krankenversicherung (und Pflegeversicherung) ist der Knackpunkt. Wenn ich aufhöre zu arbeiten oder mein Einkommen unter die gesetzliche Versicherungspflicht rutscht, muss ich mich „freiwillig“ krankenversichern. Daran habe ich damals nicht gedacht. Als ich dann daran gedacht habe, habe ich nur mit dem Mindestsatz von etwa 270€ im Monat gerechnet.

Das haut aber nicht hin und ist deutlich teurer. Die freiwillige Krankenversicherung kostet in etwa 21% des Einkommens. Dazu zählen auch Erträge aus Dividenden. Das macht diesen Posten zu einem wirklich großen. Das Depot muss dadurch größer sein und ich muss deutlich mehr Dividenden einnehmen als ich ursprünglich angenommen hatte.

 

Drei Optionen

Als nächsten Schritt in die Freiheit, nach der Reduktion auf 24 Stunden, habe ich drei Optionen. Von diesen sehe ich nur 2 als sinnvoll an. Das Ziel sind 1.650€ aus Dividenden. Netto und frei verfügbar für mich.

 

Option 1 – Minijob

  • Kein Hauptjob mehr

  • Minijob als Einkommen

  • Dividenden als Einkommen

  • Freiwillige Krankenversicherung

  • Günstigerprüfung (Kapitalerträge werden nach Einkommenssteuersatz versteuert)

 

Benötigte Depotgröße: Ca. 630.000€

Dividenden: Bei 3,5% Rendite = 22.000€ brutto = 1.650€ netto

Einkommen Mini-Job: max 603€ netto

Arbeitsaufwand: max 43 Stunden / Monat

Kranken- und Pflegeversicherung: 386€ monatlich

Vermögensaufbau: Voraussichtlich 0€

 

Diese Option hat einen großen Nachteil gegenüber Option 2. Ich müsste quasi das ganze Geld, das der Minijob einbringt, für die Krankenversicherung aufbringen. Bei einem Minijob kann man nicht davon ausgehen, verlässlich das Maximum von 603€ pro Monat zu verdienen. Ich würde also nur für die Krankenversicherung arbeiten gehen. Vom Gehalt des Minijobs würde quasi nichts übrig bleiben.

 

Option 2 – Midijob

  • Kein Hauptjob mehr

  • Midijob als Einkommen

  • Dividenden als Einkommen

  • gesetzliche Krankenversicherung

  • Günstigerprüfung (Kapitalerträge werden nach Einkommenssteuersatz versteuert)

 

Benötigte Depotgröße: ca. 630.000€

Dividenden: bei 3,5% Rendite = 22.000€ brutto = 1.650€ netto

Einkommen Midi-Job: min. 605€ brutto

Arbeitsaufwand: ca. 44 Stunden / Monat

Kranken- und Pflegeversicherung: 0 € – gesetzlich versichert

Vermögensaufbau: das Midi-Job Geld

 

Option 2 mit dem Midijob wird für mich wahrscheinlich die nächste Haltestelle nach der Reduktion auf 24 Stunden pro Woche. Hier wäre ich weiter gesetzlich Krankenversichert, hätte also keine zusätzlichen Kosten. Zudem hätte ich noch ein extra-Gehalt aus dem Midi-Job. Dieses könnte weiterhin mein Vermögen aufbauen.

 

Option 3 – finanzielle Unabhängigkeit

  • Kein Hauptjob mehr

  • Dividenden als Einkommen

  • Freiwillige Krankenversicherung

  • Günstigerprüfung (Kapitalerträge werden nach Einkommenssteuersatz versteuert)

 

Benötigte Depotgröße: Ca. 910.000€

Dividenden: Bei 3,3% Rendite = 30.000€ brutto = 2.200€ netto

Arbeitsaufwand: 0 Stunden

Kranken- und Pflegeversicherung: 527€ monatlich

Bleibt zum Leben: 1.673€ netto

Vermögensaufbau: 0€

 

Als ich das durchgerechnet habe, ist mir schon etwas die Kinnlade runtergeklappt. Um schlappe 1.673€ netto im Monat zu haben – ohne ein reguläres Einkommen – brauche ich ein gigantisches Vermögen von 910.000€!!

In diesem Fall würde auch nichtmal etwas übrig bleiben, was ich weiter in das Depot investieren könnte. Die Dividenden würden komplett verkonsumiert werden. Es würden also nur die Dividendensteigerungen als Einkommenszuwachs bleiben. Diese sollten dann definitiv über der Inflation liegen, ansonsten heißt es Kaufkraftverlust!

Die finanzielle Unabhängigkeit wäre damit erreicht. Von finanzieller Freiheit kann aber keine Rede sein.

 

Vorläufiges Schlusswort

Mit den 450.000 Euro für die Unabhängigkeit habe ich mich damals gehörig verkalkuliert. Hier in Deutschland braucht man schon ein wirklich stattliches Vermögen, um richtig gut davon leben zu können. Auch mit einer Million ist der Porsche und der Jetset-Lifestyle also noch in weiter Ferne.

Und den Porsche hätte ich schon mal gerne gehabt.

Zieht mich das jetzt runter? So würde ich das nicht sagen. Schließlich habe ich einen großen Meilenstein mit der Reduktion auf 24 Stunden pro Woche vor mir. Das dürfte schon ein ganz neues Lebensgefühl bringen und mir auch dabei helfen einfach weiterhin mit dem Vermögensaufbau am Ball zu bleiben. Mein jetziger Stand macht mich noch nicht frei. Aber ich bin dennoch ein gutes Stück vorangekommen. Und ich bin nach wie vor motiviert weiterzumachen. Auch größere Meilensteine werde ich noch erreichen, insofern mir die Götter die Zeit dazu geben. Wie es geht, weiß ich.

Eines habe ich dabei noch gelernt. Ein guter Job mit einem hohen Gehalt und damit einer hohen Sparrate – ohne Lifestyle-Inflation – ist wohl der beste Weg, um wirkliche finanzielle Freiheit anzustreben. Oder natürlich gleich eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Beides fehlt mir leider und ich werde das nicht so einfach ändern können.

 

„Gott, gib uns Regen und ein bisschen Glück – den Rest machen wir.“ – John Dutton

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