Momentan habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich mit meinem Vermögensaufbau an einem Wendepunkt angekommen bin. Das Vermögen hat eine gewisse Größe erreicht, bei der es langsam einen Einfluss auf mein Leben haben kann.
In den letzten 10 Jahren habe ich mir hauptsächlich Gedanken darüber gemacht, welche Aktien ich als nächste kaufe und wie ich mein gespartes Geld investiere.
In diesem Jahr hat sich das geändert. Ich denke jetzt oft darüber nach, wie ich meinen Weg weitergehen will. Zum einen möchte ich ja demnächst meine Arbeitszeit reduzieren. Viel Gehirnschmalz ist in diese Planung geflossen. Eigentlich ist diese jetzt abgeschlossen und ich weiß, wie ich das angehen muss.
Bei meinen Berechnungen ist mir jetzt etwas aufgefallen. Es sieht so aus, als würde mich meine Sparrate nicht mehr wirklich weiterbringen. Mein Vermögen erwirtschaftet schon seit Jahren viel mehr Geld als ich selbst sparen kann. Das ist mir schon länger klar. Bei einer Hochrechnung meiner Vermögensentwicklung habe ich dann aber gesehen, wie stark dieser Effekt jetzt schon ist.
Anbei einmal diese Rechnung. Sie muss nicht zu 100% realistisch sein, um aussagekräftig zu sein. Steuern und Inflation lasse ich außen vor. Ausgangswert ist mein Vermögen von 450.000€. Ich bin 39 Jahre alt, monatlich spare ich aktuell 600€. Ich gehe hier mal von einem jährlichen Wachstum von 8% aus. In der linken Spalte steht meine Vermögensentwicklung mit der Sparrate. In der rechten Spalte wird ohne Sparrate gerechnet:
| Lebensalter | 8 % Wachstum + 600 € Sparrate | 8 % Wachstum ohne Sparrate |
|---|---|---|
| 39 | 450.000 € | 450.000 € |
| 40 | 493.200 € | 486.000 € |
| 41 | 539.856 € | 524.880 € |
| 42 | 590.244 € | 566.870 € |
| 43 | 644.664 € | 612.220 € |
| 44 | 703.437 € | 661.198 € |
| 45 | 766.912 € | 714.093 € |
| 46 | 835.465 € | 771.221 € |
| 47 | 909.502 € | 832.919 € |
| 48 | 989.462 € | 899.552 € |
| 49 | 1.075.819 € | 971.516 € |
| 50 | 1.169.085 € | 1.049.238 € |
| 51 | 1.269.812 € | 1.133.177 € |
| 52 | 1.378.597 € | 1.223.831 € |
| 53 | 1.496.085 € | 1.321.737 € |
Beobachtung
Gelb markiert, ist das Alter, in dem ich die 1 Million knacke. Wenn ich aufhöre mein Gehalt zu sparen, erreiche ich diesen Punkt gerade einmal ein Jahr später, also nach 11 Jahren. Mit Sparrate dauert es nur 10 Jahre. Die Million ist für mich kein wichtiger Meilenstein. Sie zeigt aber, dass meine Sparrate kaum noch Einfluss auf meine Vermögensentwicklung hat.
Bei meinem aktuellen Vermögen von 450.000€ bedeutet das folgendes:
- Sparrate von 600€ = 7.200€ Vermögenswachstum pro Jahr
- 8% Wachstum meines Vermögens = 36.000€ Vermögenswachstum pro Jahr
Mein Vermögen erwirtschaftet also gerade, ohne mein aktives Zutun, 5x mehr Geld als ich sparen kann.
Fazit
Ich muss mir jetzt also eine Frage stellen. Ist es mir das wert, knapp 26% meines Einkommens zu sparen, damit aber nur noch unwesentlich schneller voranzukommen?
Auch wenn meine Sparrate ein echter Einschnitt ist, habe ich mich über die Jahre daran gewöhnt – sie ist ein Teil von mir geworden. Möglich ist sie, weil ich regelmäßig auf Anschaffungen und Erlebnisse verzichte.
Jetzt bin ich bald 40. So jung, wie in den Jahren zwischen 40 und 50, werde ich danach nie wieder sein. In dieser Zeit möchte ich möglichst viel vom Leben haben.
Ich werde also wohl zum Ende des Jahres meine Sparrate vorerst einstellen. Das frei gewordene Geld kann ich dann nutzen, um mir ein dickes Erlebnis- und Rücklagenkonto aufzubauen. Für Reisen, das nächste Auto oder Instandhaltungen. Oder ich reduziere meine Arbeitszeit früher als geplant.
So absurd es klingen mag, aber voll weiter zu sparen käme dem Verrat an meiner Zukunft gleich. Mein Geld ist schließlich Mittel zum Zweck und nicht der Endzweck.
Anmerkung: In Crashphasen an der Börse kann es mathematisch durchaus sinnvoll sein, die Sparrate wieder zu aktivieren, da diese im Verhältnis zum Vermögen wieder an Substanz gewinnt.
Verwunderlich finde ich, dass diese Gedanken fast schon schmerzhaft sind. Nicht mehr Sparen zu müssen, sollte ein Grund zum Feiern sein. Die kritische Masse ist erreicht, die Marktrendite übernimmt das Steuer. Trotzdem fühlt es sich ein wenig so an, als würde ich die Kontrolle abgeben. Das ist wohl auch dem Stolz geschuldet, den ich nach der langen Zeit der Disziplin entwickelt habe.
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Faustformel gefällig? Probiere den „DA-Faktor„
Während ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich mir überlegt, ob es nicht einen Faktor gibt, mit dem sich schnell berechnen lässt, wann das eigene Depot den Wendepunkt erreicht hat. Also der Punkt, an dem die Sparrate nur noch unwesentlich zum Vermögensaufbau beiträgt. Der Punkt, ab dem es womöglich (das muss jeder für sich selbst entscheiden) besser ist, das Depot die Arbeit alleine machen zu lassen und die Sparrate lieber für sich selbst zu verwenden.
Die Annahme ist, dass das Depot um 8% pro Jahr wächst. Wenn die jährliche Sparrate unter 2% des Depotwertes fällt, ist der Punkt erreicht. Ab hier wächst das Depot durch die Marktentwicklung viermal schneller als es die Sparrate vorantreiben könnte.
Den Faktor für diesen speziellen Fall nenne ich den Doofer-Andi-Faktor, also den „DA-Faktor“.
Der DA-Faktor ist 600. Multipliziert man die aktuelle Sparrate mit diesem Wert, erhält man den Punkt, an dem das Vermögen die kritische Masse erreicht und die Sparrate nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Der Faktor ergibt sich aus den zwölf Monaten eines Jahres und meiner gewählten 2-%-Grenze:
12 ÷ 0,02 = 600
Monatliche Sparrate × 600 = Kritische Masse
Bei 600 € monatlicher Sparrate liegt meine kritische Masse somit bei 360.000 €.
Je höher die Sparrate ist, desto mehr lässt sich damit ansparen, bevor die Sparrate obsolet wird:
| Monatliche Sparrate | DA-Faktor | „Kritisches“ Vermögen |
|---|---|---|
| 100 € | × 600 | 60.000 € |
| 250 € | × 600 | 150.000 € |
| 500 € | × 600 | 300.000 € |
| 600 € | × 600 | 360.000 € |
| 1.000 € | × 600 | 600.000 € |
| 1.500 € | × 600 | 900.000 € |
| 2.000 € | × 600 | 1.200.000 € |
Natürlich ist die 2-%-Grenze keine finanzwissenschaftlich festgelegte Größe, sondern meine persönliche Definition. Der DA-Faktor soll daher keine allgemeingültige Regel sein, sondern eine einfache Orientierungshilfe. Vielleicht könnt ihr damit ja etwas anfangen oder ihn auf eure eigene Situation anwenden.
Für Anmerkungen, Kritik oder Fragen bin ich natürlich immer offen.
8 Comments
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Hallo Andi,
Respekt zu dieser tollen Leistung.
In diesem Alter (39) hatte ich „nur“ 190k, war allerdings schon verheiratet und wir hatten da schon ein Kind.
Zudem hatten wir ein älteres Haus gekauft und komplett renoviert. Kosten gesamt ca. 250k. Insgesamt aber vergleichbar, wobei heute die Hauskosten deutlich höher wären.
Es geht hier aber nicht um mich, daher mein Rat:
Vergiss nicht, dass es auch andere schöne Dinge wie eine Partnerschaft oder Kinder gibt. Das Leben besteht nicht nur aus Sparen.
Reise, Liebe, Lebe!
Zudem solltest du an Deinem Gehalt arbeiten. Die Kosten steigen überall und 2400 € netto mtl. sind auf Dauer zu wenig.
1.5M mit >50 Jahren klingen vielleicht viel, das ist auch so ohne Frage, aber reicht das in 10-12 Jahren noch ? Wenn du jetzt 60 wärest und hättest jetzt die 1.5M würde ich sagen es reicht. Aber bis du 60 oder älter bist werden es wohl mind. 2M sein müssen.
PS: Mach weiter mit dem Blog, es gibt zu wenige nicht kommerziell orientierte. Danke dafür!
Grüße
René
Hallo Andi,
TOP was Du da auf die Beine gestellt hast!
Dein Vermögen und auch Deinen Blog!
8% halte ich persönlich für zu optimistisch, gehe da mit 4% ran, erwarte Brutto im Schnitt 6% auf die lange Zeit und hoffe auf mehr….
Wenn man etwas verkaufen muss, dann haut die Steuer da ganz schön rein. Wohne auch im Schwarzwald und das ist ein teures Pflaster…
Jetzt auf 300 EUR runter in einen Geldmarkt ETF, das wäre aus meiner kleinen Brille heraus ok oder auch 600 EUR jeden Monat rein und für Reisen etc entnehmen.
Bin seit Jahren auf 40 40 10 10 unterwegs (Immo / Aktien + ETF / sonstiges Gold Beteiligungen …. / verzinsten Cash) und überlege das zu ändern, Immo macht sehr viel Arbeit in D und ich weiß nicht, ob das hier stabil bleiben kann. Bei Immo sind die Steuern auch höher, für Mutter und Schwiegermutter realisiert.
Die Staaten bauen da auch zu viele Schulden auf, bin echt gespannt wie das so weiter geht, bei den Kriegen auch.
Dir ein herzliches Danke Schön und beste Grüße!
Ralfos
Hallo Ralfos,
Vielen Dank! Laut Gemini und ChatGPT liegt die langfristige Rendite des MSCI World bei 7-9%. Die des S&P500 liegt bei 8,5-11%.
Mein persönlicher interner Zinsfuß liegt bei 14,2%. Ich halte 8% also für eher konservativ, aber ich verstehe, wenn das hoch erscheint.
Kriege und Schulden sind ein Problem, aber die gibt es schon seit Menschengedenken. Deshalb halten sie mich nicht vom investieren ab.
Du hast sehr viel Geld in Immobilien investiert und überlegst das zu ändern. Wenn du die Immobilien physisch hast, würde ich vermutlich dabei
bleiben und einfach weiter vermieten. Wenn du den Immobilienanteil in Aktien hast, ist das natürlich ein Klumpenrisiko. Ich persönlich lebe in
einer abbezahlten und selbstgenutzen Immobilie. Ein Haus oder eine Eigentumswohnung als Investment möchte ich nicht. Da fühle ich mich mit REITs wohler.
Dort habe ich quasi kein Zusatzaufwand und versteuert werden die Dividenden ganz regulär.
Wegen Staatsverschuldung mache ich mir nicht zu viele Sorgen. Jeder Schuld steht auch ein Wert gegenüber. Und Staaten wie die USA oder Europa (Staatenbündnis),
können wegen ihrer eigenen Zentralbanken praktisch nicht pleite gehen.
Schön, einen Nachbarn wie dich im Schwarzwald zu haben. Ich hoffe wir hören uns wieder!
Viele Grüße
Andi
Ich glaube an Deiner Stelle würde ich auch aufhören zu sparen. Die 600 Euronen machen den Kohl bei dir nicht mehr fett. Durch die aktuelle Blase bin ich im Juli auch über die 500k gespült worden. Werde meine hohe Sparrate aber erst bei 1m reduzieren. Ganz aufhören zu sparen kann ich nicht- klassisches one more year syndrome…. wahrscheinlich spar ich noch als Rentner weiter….
Hey Medicus!
Ja, je höher die Sparrate, desto länger macht es Sinn, sie aufrecht zu halten. Das Sparen gibt einem ja auch ein gutes
Gefühl weiter am Ball zu bleiben. Ich werde meine freigewordene Sparrate wohl nutzen um etwas Cash aufzubauen.
Gruß
Andi
Ich habe mal von der einfachen Formel gehört:
wenn „jährliche Sparrate / erwartete Rendite > Vermögen“, dann aufhören zu sparen.
Also bei 7200 / 0,08 wäre das schon ab 90000€ Vermögen.
Ich finde die Höhe aber auch zu niedrig, da ist deine Formel näher an der Realität. Vielleicht sollte man auch etwas dazwischen nehmen, etwas die Safe Withdrawal Rate von 3-4%.
Inspiration gibt’s hier:
https://youtu.be/W82RqoDdGqk
Hallo Christian,
90k wären mir wohl zu niedrig gewesen um mit dem Sparen aufzuhören. In den letzten Jahren hatte ich immer noch das Gefühl
„sinnvoll“ Positionen aufbauen zu können. Am Ende kommt es wohl auch auf das Ziel an, dass man erreichen möchte.
Wenn CoastFIRE das Ziel ist, klingen die 3-4% super. Dann hat man ja noch einiges an Zeit und kann schon früher anfangen
mehr Geld für sich selbst zu nutzen. Danke für den Link!
Gruß
Andi
Hi Andi,
bin erst kürzlich auf deine Seite gestoßen.
Sie gefällt mir gut und auch deine Einstellung!
Das mit dem DA-Faktor ist sehr interessant.
Bei mir ist das Sparen und investieren ebenfalls in Fleisch und Blut übergegangen. Damit aufzuhören wird sicher ein komisches Gefühl sein (ich bin noch ein ganzes Stück davon entfernt).
Du könntest ja das Geld „beiseite“ parken, verbrauchen und ggf. bei günstigen Gelegenheiten einen Betrag X dann doch zum investieren nutzen.
2 Fliegen mit einer Klappe sozusagen.
Dann fällt das loslassen vom Sparen auch nicht so schwer 😊
Viele Grüße und alles Gute weiterhin
Ilona
Hallo Ilona!
Schön, dass Du meinen Blog liest und auch dass er Dir gefällt!
Ich werde wohl wirklich das Geld erstmal nehmen um etwas Cash aufzubauen. Wenn ich etwas davon verbauchen will,
ist das dann in Ordnung. Am Ende wird es wohl, wie Du sagst, ein größerer Haufen werden von dem ich dann doch wieder
investieren kann 😀
Viele Grüße
Andi