Hallo zusammen,
vor kurzem habe ich einen Gastbeitrag in einem Blog gelesen. Der Gast stellt seine Allokation vor. Zwischendrin zählt er ein paar Bücher auf, die jeder gelesen haben „sollte“.
In den Kommentaren geht es um Gold. Eine Kommentatorin weist einen anderen Kommentator zurecht, dass man Gold nur physisch kaufen „sollte“.
Unter deutschen Finanz-Youtube-Videos findet man ähnliche Kommentare auch haufenweise. „Mindestens 10% Bitcoin „gehören“ in jedes Depot!“
Es ist faszinierend, wie viele Menschen sich anmaßen anderen zu sagen was sie tun sollten und was für sie das Beste ist.
In den USA begegnet einem so etwas nicht so oft. Dort ist man offener, lernt gerne auch mal etwas Neues dazu oder hört sich andere Methoden und Herangehensweisen an.
Nicht aber bei uns! Genauso wie es bei den Fußball-Weltmeisterschaften plötzlich 90% der Bevölkerung besser wissen als der Trainer, ist es auch im Finanzuniversum. Jeder denkt er ist der Schlauste. Jeder denkt sein Weg ist der einzige. Wer etwas dazulernen kann oder will, zeigt Schwäche. Und das gilt es um jeden Preis zu verhindern.
Unter einem anderen Video hat jemand eine legitime Verständnisfrage zu einem möglichen Trade gestellt. Es ging darum von einer wahrscheinlichen Abspaltung eines Unternehmens zu profitieren.
Die Frage war: „Heißt das jetzt, dass man das Unternehmen kauft oder den Spin-Off?“
Die Antwort kam direkt von einer hilfsbereiten Person:
„Wenn du das nicht verstanden hast, solltest du gar nichts kaufen.“
Nein. Wenn jemand etwas nicht versteht, sollte er fragen dürfen. Diese kleingeistige Einstellung vieler Menschen macht mich zunehmend sauer.
Ich denke, sie ist einer der Hauptgründe, warum Deutschland auf der Stelle tritt. Zu viele Menschen sind auf ihrer Mission um ihrem Umfeld ständig ihre eigene Bullshit-Meinung aufzudrücken. Außer der eigenen wird keine andere Meinung geduldet. Das führt dazu, dass kaum noch jemand Lust dazu hat, offen zuzugeben etwas nicht zu wissen.
Und fangen wir gar nicht erst mit den Schreien nach Verboten an. Wenn hier alles verboten wäre, was laut einigen Menschen verboten werden sollte, dann würden wir alle gar nichts mehr tun.
Es ist an der höchsten Zeit wieder etwas mehr Freiheit zu riskieren. Lassen wir andere Meinungen zu, auch wenn wir sie nicht gutheißen. Geben wir Ratschläge, Tipps und Meinungen, anstatt unserem Umfeld alles vorzuschreiben. Wenn jemand einen Weg geht, der von dem eigenen abweicht, macht ihn das nicht gleich zu einem unwissenden Idioten.
Lassen wir unseren Nächsten seine Interessen verfolgen – solange sie uns nicht schaden oder eingrenzen. Drücken wir nicht jedem unseren eigenen Stempel auf. Im Zweifel haben wir auch das Recht einfach nur zu lächeln und zu nicken.
Sorry für den Rant aber das musste mal raus.
Viele Grüße
der doofe Andi
„It is not wisdom but authority that makes a law.” – Thomas Hobbes
3 Comments
Servus Andi,
ich kann verstehen das dich das nervt. Es hat aber etwas mit Erwartungshaltung deinerseits zu tun. Du verhältst dich aufgeschlossen und nicht belehrend. Erwartest dann aber von anderen das Sie das auch sind (Weil das auch verständlich und gut für das Miteinander wäre).
Wenn du diese Erwartungshaltung nicht hättest, dann würdest du dich vielleicht nicht so darüber aufregen. ABER das ist einfach gesagt als getan.. ich übe das seit mehren Wochen und schaffe es nicht.
Bitte NIHCT als Belehrend auffassen.. ich bin nämlich voll deiner Meinung.. Und ich finde es sehr schön das es einen SafeSpace wie Getmad.de gibt.. wo das relativ wenig vorkommt. Leider wurde Rente mit Dividende mal wieder von solchen Meinungsmachern ein wenig zu sehr übernommen.
Wünsche dir einen tollen Sonntag und danke für den Content.
Hallo Andi,
zu dem Artikel kann man bestimmt ganze Aufsätze schreiben.
Für mich hat das was mit Verantwortung zu tun. Wenn ich in irgendetwas investiere, dann trage ich das Risiko. Natürlich fühle ich mich sicherer, wenn alles das gleiche machen. Geht es nämlich schief, dann bin ich nicht alleine schuld.
Ich mag Elon Musk nicht, aber SpaceX revolutioniert die Raumfahrt, weil sie anders denken.. andere Risiken nehmen. Hier muss man Werk und Mensch trennen.
Und genauso ist es bei Ideen und Vorschlägen, man kann diese bewerten, schauen ob sie für einen möglich sind und in das eigene Wertesystem passen und dann umsetzen oder aber auch nicht. Das Risiko dabei ist aber auch, das man erkennt das man vorher etwas nicht zum Optimum gemacht hat.
Hallo Mike,
da stimme ich Dir zu. Aber selbst wenn man nicht alleine an einem Fehler die Schuld hat, trägt man die Konsequenzen am Ende doch alleine. Vor einer Weile ist mir ganz bewusst „bewusst“ geworden, dass ich meine Meinung jederzeit ändern kann. Man kommt viel besser durch das Leben, wenn man sich gemachte Fehler einfach eingesteht, sich anpasst und dann weitermacht. Mich stört es einfach wenn Menschen einen Weg für richtig halten und alle anderen dumm sind, wenn sie ihm nicht folgen.
Gruß Andi