Gerechtigkeit und Neid

Der Anstoß

Ich habe gar keine Lust diesen Artikel zu schreiben. Er wird mich runterziehen, mein Blutdruck wird steigen und danach werde ich einen matschigen Kopf haben. Aber es nützt nichts.

Seitdem die Klugen nachgegeben haben, regieren die Dummen die Welt.

Ab und zu muss man dagegen halten.

Vor ein paar Tagen wurde Thomas von Finanzfluss, der wohl größte deutsche Finfluencer, in einem Lamborghini an einer Tankstelle in Berlin „erwischt“ und gefilmt. Das Team von Finanzfluss predigt schon seit Jahren Sparsamkeit und bedachtes Handeln mit Geld. Finanzfluss hat mit Sicherheit einen großen Einfluss auf das Spar und Anlageverhalten vieler junger Deutscher und einen gewaltigen positiven Einfluss auf die finanzielle Bildung in unserem Land.

Umso größer war natürlich der Tumult, der nach dieser Entdeckung entstanden ist. Die gute alte Neid-Debatte ist wieder in vollem Gange. 

Gestern kam die 200. Folge „Marktgeflüster“ auf dem Youtube Kanal heraus – es war also ein Werbegag!

Auf Reddit bin ich aber auf einen Thread gestoßen, in dem der Vorfall heiß diskutiert wurde. Einige der Kommentare haben mich dann dazu angestoßen hier einmal darauf einzugehen. Ich werde also mal meinen Senf dazugeben.  Um den Lambo geht es dabei nicht, die Kommentatoren schreiben über Gerechtigkeit. 

Hier also einmal drei Kommentare von Leuten, die sich über „Leistungsloses“ Vermögen ärgern, es aber als gerecht ansehen, wenn ein Teil dieses Vermögens an sie selbst umgeleitet wird.

Aus Datenschutzgründen zeige ich die Namen der Verfasser und ihre Avatare nicht an.

Reddit Kommentare:

Gerechtigkeit (meine persönliche Meinung)

Eine Beobachtung vorab. Es scheint als wäre Gerechtigkeit für viele ein sehr dehnbarer Begriff. Wenn mir etwas nützt, ist es gerecht. Habe ich keinen Vorteil, ist es ungerecht. Bei den (Un)Gerechtigkeitsfragen wird meistens nur die Position des Empfängers betrachtet, dem oft vorgeworfen wird, etwas ohne Leistung erhalten zu haben. 

1. Erbschaft

Ein Elternteil, der sein Haus, von bereits versteuertem Geld mühsam erarbeitet, an seine Kinder weitervererben will, sieht das eventuell anders. Aus meiner Sicht gehören Familien zusammen. Es ist gerecht, dass Vermögen innerhalb der Familie weitergegeben wird. Das Vermögen wurde während dem Aufbau bereits genug versteuert. Wieso sollte dann irgend ein Neidhammel ein Anrecht auf dieses Vermögen haben? 

Man erbt nichts von den Eltern? – Schade! Aber ist das ungerecht? Aus meiner Sicht nein. Es ist einfach Pech. Genauso, wie wenn man mit 30 Krebs bekommt oder mit 20 in einem Unfall stirbt. Ungerecht ist es, wenn man sich an anderen Familien bereichern will von denen man selbst kein Teil ist.

Es ist etwas Schönes, wenn man innerhalb der Familie Vermögen weitergeben kann. Es gibt einen Anreiz im Leben etwas zu erreichen. Wenn einem am Ende des Lebens einfach alles weggenommen wird um es „umzuverteilen“, macht es keinen Sinn etwas aufzubauen. Es ist eines jeden Menschen Recht, und damit auch Ge-Recht, selbst zu entscheiden, was mit dem eigenen Lebenswerk passiert. 

Würde Vermögen nach dem Tod immer auf den Staat (und damit die Neider) zurückfallen, gäbe es zum Beispiel keine landwirtschaftlichen Betriebe mehr. Ein Bauernhof mit Land ist Millionen wert. Würde er den Eigentümern weggenommen werden, gäbe es niemanden der damit umzugehen weiß und damit einen Mehrwert für die Gesellschaft erbringen könnte. Das gleiche mit Betrieben im Familienbesitz. Wollen wir wirklich, dass nach 2 Generationen alles dem Staat gehört? Hell no…

2. Einkommen

„Es ist nur gerecht, wenn Menschen mit höherem Einkommen auch höhere Steuern zahlen!“

Das sehe ich nicht so. 

Wieso soll jemand mit einem höheren Einkommen einen prozentual höheren Steuersatz haben? Ist es nicht gerecht, wenn einfach alle den gleichen Steuersatz haben? Die Gutverdiener zahlen damit ja automatisch mehr.

Bei 10% Steuer:

Einkommen 10.000€ = 1.000€ Steuer

Einkommen 100.000€ = 10.000€ Steuer

Wer zehnmal so viel verdient, bezahlt also auch zehnmal so viele Steuern. Das klingt für mich gerecht. Was soll gerecht daran sein, wenn jemand mit dem zehnfachen Einkommen das fünfzigfache an Steuern zahlen muss?

Persönlich fehlen mir an unserem Steuersystem die Anreize. Je mehr man verdient, desto härter wird man bestraft. Wir sollten uns als Land besser darauf konzentrieren möglichst viele erfolgreiche Menschen zu haben, die dann in Summe mehr Steuern bezahlen können. Stattdessen werden erfolgreiche Menschen gehasst und wandern dementsprechend ab. Weshalb ziehen wir keine Elitestudenten aus Indien oder China an? Weil es sich für sie nicht lohnt.

3. Kapitalerträge

Die Kapitalertragssteuer ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ich verstehe nicht, was daran gerecht sein soll. Anstatt mein sauer verdientes Geld in Statussymbole und Lifestyle zu stecken, entscheide ich mich dafür, es zu investieren. Der Wirtschaft wird ihrerseits dadurch Geld für Investitionen zur Verfügung gestellt. Das Risiko trage ich zu 100% selbst. Das investierte Geld wurde mit der Einkommenssteuer bereits versteuert. Wieso also kann sich jemand anmaßen einen Anspruch auf meine Erträge zu haben ohne selbst irgendein Risiko zu tragen? Ist das gerecht? 

Wenn ich meinen erzeugten Wohlstand dann irgendwann ausgebe, bezahle ich ja wieder Mehrwertsteuer wie jeder andere auch. Nur eben mehr, weil mehr Geld zur Verfügung steht. 

Aber nein, auch die ca. 26% Steuer auf Kapitalerträge reichen nicht. Auch momentan werden die Rufe nach höheren Steuern auf Kapitalerträge wieder höher. Auch die Haltefrist auf Cryptowährungen ist quasi schon Geschichte.

4. Die Schere zwischen Arm und Reich

Wieso werden die Armen ärmer und die reichen Reicher? Erst einmal ist diese Aussage grundlegend falsch. Die Armen werden nicht ärmer. 2010 haben rund 1,1 Milliarden Menschen in Armut gelebt. Heute sind es etwa 700 Millionen. Das ist fast die Hälfte weniger.

Ganz wichtig – im Folgenden geht es um Menschen in Deutschland. Nicht um strukturell schwache Länder der dritten Welt, in der es schlicht wenige Perspektiven gibt.

Dann sagen wir mal viele Arme werden nicht reicher und kommen nicht richtig voran, während Anleger und Investoren alle paar Jahre ihr Vermögen verdoppeln. Woran liegt das? Meiner Meinung nach liegt es nicht an ungerechten Ausgangsbedingungen. Jeder hier im Lande hat Zugriff auf das gleiche Schulsystem. Auch Internetzugriff – und damit Zugang zum gesammelten Wissen der Menschheit – hat jeder. 

Was die Schere auseinandertreibt ist nach meiner Ansicht recht simpel. Jeder macht das, was er schon immer getan hat. Vermögende Menschen treffen gute Lebens und Finanzentscheidungen, während die anderen schlechte Entscheidungen treffen. Wenn sich dieser Effekt über viele Jahre kummuliert, geht die Schere natürlich auseinander. Ist das ungerecht oder eine Folge der eigenen Handlungen? 

Ein Spruch, den ich sehr mag weil ich ihn für absolut zutreffend erachte:

„Die meisten Menschen werden nie reich weil sie es nie versuchen.“

Wer nie die Verantwortung für sich selbst übernimmt und die Initiative ergreift, dem wird das „Glück“ auch nie in den Schoß fallen. Auch dann nicht, wenn noch viel mehr umverteilt wird.

5. Milliardäre

Das ist wohl der heikelste Punkt. Kaum jemand wird von der breiten Masse so gehasst und beneidet wie ein Milliardär. Wird irgendwo ein Artikel über einen geschrieben fängt der oft so an: „Der Milliardär Elon Musk hat…“ – „Multi-Milliardär Jeff Bezos….“

Es geht oft schon gar nicht mehr darum, was die Person getan hat um so reich zu werden. Ich bin sicher, dass sich die meisten Superreichen in erster Linie als das sehen, was sie so weit gebracht hat. Sie sind Unternehmer und Gründer. Die meisten davon Selfmade. Sie haben aus dem Nichts weltmarktführende Unternehmen erschaffen. Ihr Vermögen haben sie nicht auf ihrem Konto. Sie besitzen einen Teil ihrer selbst gegründeten Firma.  Durch ihr unternehmerisches Geschick, ihren Weitblick und ihr Durchhaltevermögen ist die Firma groß genug geworden um so viel wert zu sein. Amazon hat etwa 1,5 Millionen Angestellte. Alphabet 200.000 und Tesla etwa 135.000. Das sind alles Menschen, die dank diesen „Milliardären“ einen Job haben. 

Da das ganze Geld in den Unternehmen steckt, macht der Ruf nach Umverteilung gegen die Inhaber von vorne herein schon keinen Sinn. Ruf nach Vermögenssteuer – schlicht unrealistisch. Die Firmen würden durch die Abgaben zerstört werden, siehe Erbschaftssteuer oben.

„Kein Mensch sollte so viel besitzen!“ Warum nicht? Das Geld wurde niemandem weggenommen. Die Kunden dieser Unternehmen rennen ihnen mit Händen voller Geld die Tür ein. Teilweise campieren die Kunden vor den Läden, weil sie ihr Geld nicht schnell genug loswerden können (Beispiel Apple). Niemand wird dazu gezwungen diesen Milliardären sein Geld zu geben. 

Eines haben sie dazu alle gemeinsam. Sie haben der Welt Lösungen für Probleme gebracht. Was denkst du, wie viel Zeit sich die Menschheit schon eingespart und wie viel Treibstoff nicht verbrannt wurde, weil Google Maps die Menschen ziemlich zuverlässig zu ihren Zielen führt? Wie viel Zeit und Treibstoff habe ich schon gespart, weil ich mir die Tube UHU einfach auf Amazon bestellen kann und sie mir von einem Lieferwagen bringen lasse, der ohnehin 40 andere Stopps in meinem Dorf macht, anstatt selbst alleine in die nächste Stadt zu fahren und sie zu kaufen?

Vielleicht würde es manch einem besser gehen, wenn er vor der eigenen Türe kehren und sich Gedanken darüber machen würde, wie er der Welt selbst etwas anbieten kann. 

Schlusswort

Da habt ihr jetzt also meine Einstellung zum Thema Neid und Gerechtigkeit.

Neid ist für mich eine Krankheit. Meistens leider unheilbar. Wer einmal ein Neider ist, der wird es meist auch bleiben. Wer nie reflektiert und sich um sich selbst kümmert, wird auch an seiner Situation nichts verbessern.

Ich bin ziemlich Ultrakapitalistisch? Ja, kann sein. Ich habe es allerdings in 10 Jahren von „Bis zum Hals im Dispo“ zu einem mehrfach sechsstelligen Vermögen gebracht. Mit einem 08/15 Job. Ich habe auch etwas geerbt, aktuell etwa 30% meines Vermögens. Von meinem Opa, der für seine Familie gearbeitet hat. Weggenommen habe ich niemandem etwas und ich habe auch nie danach geschrien. Ohne mein Erbe hätte ich weniger, wäre aber immer noch vermögend und auf dem richtigen Weg. 

Deshalb ist es mir egal, ob Thomas von Finanzfluss einen Lambo hat oder nicht. Es ist mir auch egal ob jemand ein Haus, ein Grundstück, Geld oder eine Firma geerbt hat. Ich baue mir einfach selbst etwas auf. Am Ende meines Lebens will ich aber selbst entscheiden können, was mit meinem Vermögen passiert. Das ist mein Recht. 

Gott, gib uns Regen und ein bisschen Glück. Den Rest machen wir.“ – John Dutton, Yellowstone

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“ – Spruch vor einer Adventsgemeinde in der Nähe

 

 

Was meinst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mein Notizbuch: