Ich bin ein Architekt. Nicht beruflich. Aber ich habe wohl den Persönlichkeitstyp „Architekt“. Zumindest nach dem bekannten Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI). Das ist ein Persönlichkeitstest, den es schon seit den 1940er Jahren gibt. Ich selbst habe ihn vor einigen Jahren gemacht. An den Tag kann ich mich noch gut erinnern. Es war ein Online-Fragebogen, bei dem man Fragen zustimmen oder nicht zustimmen muss. Man braucht etwa 10 Minuten, um sich da durchzuarbeiten. Nach diesen Antworten bekommt man dann sein Ergebnis präsentiert. Man wird einer von 16 möglichen Persönlichkeiten zugeordnet. Das Resultat hat mich wirklich vom Hocker gehauen. Die Charaktereigenschaften, Stärken und Schwächen, die mein Persönlichkeitstyp haben soll, lagen mit fast unheimlicher Präzision richtig. Die Aussagen aus dem Ergebnis waren dabei nicht vage. Sie waren auch nicht auf jeden zutreffend wie bei einem Horoskop. Das war wirklich ich.
Ganz begeistert habe ich dann einige meiner Arbeitskollegen dazu motiviert, den Test auch zu machen. Auch hier das gleiche Resultat. Die Kollegen waren begeistert von der Präzision der Ergebnisse. Eine Kollegin, im Betriebsrat sehr aktiv, gehörte zum Typ „Konsul“. Der Azubi mit dem sonnigen Gemüt, erfolgreicher Handballspieler, war ein „Unterhalter“.
Vor ein paar Tagen ist mir dieser Test wieder ins Gedächtnis gekommen und ich habe mich mehr mit meinem Persönlichkeitstyp beschäftigt. Auch heute kann ich noch sagen, dass ich mich darin erkenne.
Die Persönlichkeit des Architekten
Mit dem Persönlichkeitstypen des Architekten – Abkürzung INTJ – gehöre ich zur kleinsten Gruppe der Bevölkerung. Nur 2% der Testabsolventen landen in dieser Kategorie.
Das INTJ steht für:
I – Introverted (Introvertiert)
N – Intuitive (Intuitiv)
T – Thinking (Denkend)
J – Judging (Urteilend)
Es gibt eine Reihe von Kern-Stärken und Schwächen beim Architekten.
Stärken:
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Strategischer Weitblick: INTJs sehen das Leben wie ein Schachspiel. Sie planen oft mehrere Schritte im Voraus, erkennen komplexe Muster und entwickeln langfristige Strategien.
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Radikale Rationalität: Entscheidungen werden fast ausschließlich mit dem Kopf, nicht mit dem Bauch getroffen. Sie trennen Emotionen strikt von Fakten, um die objektiv beste Lösung zu finden.
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Hohe Unabhängigkeit: INTJs verlassen sich am liebsten auf sich selbst. Sie hinterfragen Autoritäten und traditionelle Regeln, wenn diese für sie keinen logischen Sinn ergeben.
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Wissensdurst & Perfektionsdrang: Sie wollen verstehen, wie die Welt funktioniert. Wenn sie sich für ein Thema interessieren, vertiefen sie sich so lange darin, bis sie es perfekt beherrschen.
Schwächen:
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Mangelnde emotionale Sensibilität: Es fällt ihnen oft schwer, mit den Gefühlen anderer (oder ihren eigenen) umzugehen. Sie wirken auf Mitmenschen manchmal kühl, distanziert oder gar arrogant.
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Ungeduld mit Ineffizienz: Wenn Dinge unorganisiert sind oder Menschen unlogisch handeln, verlieren INTJs schnell die Geduld. Sie können dann sehr kritisch und direkt werden.
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Neigung zum „Overthinking“: Weil sie alles perfekt planen wollen, analysieren sie Probleme manchmal so lange, bis sie sich im Kopf blockieren (Analysis Paralysis).
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Soziale Erschöpfung: Großer Smalltalk oder soziale Verpflichtungen strengen sie extrem an. Sie verbringen ihre Freizeit lieber allein oder mit sehr wenigen, intellektuell gleichgesinnten Menschen.
Ein INTJ sucht Wissen als Werkzeug um damit ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Er hat eine Abneigung gegenüber Chaos und arbeitet am liebsten Step-by-Step. Die Kommunikation ist direkt und ergebnisorientiert. Es wird zügig eine feste Meinung gebildet. Diese wird dann mit Logik verteidigt.
Fun Facts
Einige prominente Beispiele für INTJ-Persönlichkeiten sind: Elon Musk, Mark Zuckerberg, Nikola Tesla, Stephen Hawking, Friedrich Nietzsche, Arnold Schwarzenegger und Christopher Nolan.
Fiktive Charaktere sind unter anderen:
– Severus Snape (Harry Potter)
– Walter White (Breaking Bad)
– Gandalf der Graue (Herr der Ringe)
– Bruce Wayne (Batman)
– Tywin Lannister (Game of Thrones)
Mit dieser Vergleichsgruppe kann ich ganz gut leben.
Moneyshow.com gibt an, dass eine Studie ergeben hat, dass 81% der INTJs profitabel investieren. Damit schneiden sie deutlich besser als der Durchschnitt ab.
Selbstreflektion / Mein Leben als Architekt
Ich habe immer wieder das Gefühl, mit meinem Charakter nicht ganz der Norm zu entsprechen und mich im Durchschnitt der Menschheit eher in einem Randbereich aufzuhalten.
Den genannten Wissensdurst habe ich tatsächlich sehr ausgeprägt. Wenn ich etwas höre, das ich nicht verstehe, recherchiere ich danach. Egal, was es ist. Die Materialbeschaffenheit eines speziellen Stahls, das Fortpflanzungsverhalten eines bestimmten Fisches, die Physik hinter den Phänomenen des Universums. Vielen Menschen ist solches Hintergrundwissen herzlich egal. Mir nicht.
Ich denke gerne nach und plane gerne. Mit dem Vermögensaufbau habe ich etwas gefunden, wobei ich mich richtig austoben kann. Ich erstelle Hochrechnungen, Strategien und gehe unterschiedliche Szenarien durch, bis ich einen für mich brauchbaren Lösungsansatz gefunden habe. Auch der Blog bietet sich mir an, um meine Gedanken zu fokussieren, festzuhalten und weiterzugeben. Theorien und Pläne auszuarbeiten und zu besprechen, macht mir großen Spaß.
Während es der Großteil meiner Arbeitskollegen völlig ungerührt hinnimmt, wenn in der Firma schlechte Entscheidungen getroffen werden, die unsere Abläufe unnötig verkomplizieren und unsere Qualität senken, macht mir sowas wirklich zu schaffen. Besonders dann, wenn ich Anweisungen von Vorgesetzten folgen muss, denen ich aus tiefster Überzeugung nicht zustimmen kann.
Das wird wohl auch ein Grund dafür sein, warum ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln danach strebe, finanziell unabhängig zu werden. Einfach nur Reich zu werden, ist nicht der Treiber. Es geht darum, der Fremdbestimmung zu entkommen.
Auch mein Langzeit-Status als Single lässt sich zum Teil darauf zurückführen, dass ich alleine zufrieden bin und mein Leben nur widerwillig an andere Menschen anpasse.
Bindung fühlt sich für mich schnell nach Gefängnis an. Selbst wenn Freunde meine Freizeit für mich „verplanen“ möchten, stellt sich mein Inneres quer. Meine Ruhe und Freiheit schätze ich sehr.
Während sinnloser Smalltalk, mit zum Teil frei erfundenen Geschichten, für viele eine willkommene Abwechslung darstellt, fügen mir diese leeren Konversationen regelrecht physische Schmerzen zu und lösen Fluchtinstinkte aus. Das gleiche gilt für Verschwörungstheorien, die jeglicher Logik entbehren und nie durch stichhaltige Argumente untermauert werden können.
Wenn mir jemand mal richtig dumm kommt, bin ich schnell beleidigt. Ich vergesse so etwas nie. Es kommt vor, dass ich diesen Menschen gegenüber fortan für immer abweisend bin. Auch wenn mir auffällt, dass meine Reaktion teils übertrieben ist, kann ich das dann nicht mehr einfach abstellen.
Was bringt mir dieser Test?
Dass meine Persönlichkeit durch diesen Test in diese unterbesetzte Kategorie eingeordnet wird, hilft mir, meine Besonderheiten zu verstehen. Ich kann es so besser akzeptieren, Dinge oft anders zu sehen als mein Umfeld. Mit dem Wissen, einfach ein spezieller Typ Mensch zu sein, kann ich die Menschen um mich herum besser verstehen und in Härtefällen auch besser ertragen.
Die meisten Personen, die diesen Test gemacht haben, werden das Ergebnis mit dem Gedanken „Aha, interessant.“ zu den Akten legen und vergessen. Für mich dagegen ist es wichtig.
Ein „Architekt“ zu sein, bringt sicher seine Vorteile mit sich. Es ist wohl durchaus lohnenswert sie zu kennen und für sich zu nutzen. Ein INTJ, der das nicht tut, wird sich wohl sein Leben lang nur mit den Nachteilen herumschlagen.
Alles in Allem hat mir dieser Persönlichkeitstest gezeigt, warum ich ein recht brauchbarer Investor und Anleger bin, mit einem gewissen Verständnis für langfristige Entwicklungen von Unternehmen und für die Visionen mancher Gründer. Er hat mir aber auch gezeigt, warum es mir schwerfällt, mich auf eine Beziehung einzulassen. Warum ich nie zu 100% das Gefühl habe, irgendwo dazuzugehören, warum mir der Angestelltenjob wie ein Käfig vorkommt und warum ich ständig das Gefühl habe, von Idioten umgeben zu sein.
Und wie gehe ich jetzt am besten damit um? Ich sollte es akzeptieren, dass andere Menschen einfach ein anderes „Betriebssystem“ haben als ich. Nicht für jeden ist Logik und Authentizität so wichtig, wie für mich. Ich bin Teil einer Minderheit. Ich bin der, der anders ist.
Dazu darf ich den Job nicht zu persönlich nehmen. Er ist ein reines Werkzeug um mein Leben zu unterhalten und mein Depot zu füttern, mehr nicht.
Habt ihr den Test auch schon mal gemacht? Vielleicht könnt ihr ja auch etwas über euch selbst lernen. Ich kann mir vorstellen, dass es unter Investoren einen relativen hohen Anteil an INTJ-Persönlichkeiten gibt.
Den Test findet ihr unter 16personalities.com. Ich habe keinerlei Verbindungen dazu. Er ist kostenlos und ich profitiere nicht durch eure Teilnahme.