In den letzten Wochen habe ich viel über meine Planung für die finanzielle Unabhängigkeit geschrieben. Die nächsten Artikel sollen sich wieder mehr um den klassischen Vermögensaufbau drehen. Das Folgende habe ich meinem Azubi ausgedruckt, nachdem ich es geschrieben habe. Er möchte mit dem Investieren anfangen. Er meinte, dass es ihm geholfen hat und ihm in kompakter Form einen Leitfaden bietet. Vielleicht ist es auch für euch nützlich.
Studien zeigen, dass 80 bis 90% der langfristigen Privatanleger den breiten Markt underperformen. Zwischen 1,4 und 3,7 Prozentpunkte hinken sie dem Marktdurchschnitt hinterher. Bei kurzfristigen Tradern sind die Zahlen nochmal deutlich schlechter.
Um erfolgreich Vermögen aufzubauen, besonders an der Börse, gibt es in meinen Augen eine Reihe von Regeln. Die einzelnen Regeln sind nicht schwer zu verstehen, mitunter aber nicht immer leicht umzusetzen. Um wirklich langfristig und zuverlässig Erfolg zu haben, müssen sie aber kontinuierlich respektiert werden.
Ich habe hier mal Brainstorming betrieben und alle Punkte zusammengeschrieben, denen ich meinen eigenen Erfolg zu verdanken glaube. Ich bin weiß Gott kein Starinvestor und habe sicher noch viele Verbesserungspotenziale. Dennoch brauche ich mich mit meinem Depot nicht zu verstecken und kann womöglich dem ein oder anderen mit dieser Zusammenfassung ein paar Denkansätze geben. Wenn nichts Neues für euch dabei ist – umso besser!
Lest ein paar Bücher
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig, deshalb kommt er als Erstes.
Der beste Schutz vor schlechten Entscheidungen ist Wissen. Indem ich schon ganz am Anfang meinen Vermögensaufbau mit ein paar guten Finanzbüchern begleitet habe, konnte ich viele grobe Fehler vermeiden, die mich sonst einen Haufen Geld gekostet hätten. Auch wichtige Entscheidungen kann ich so ohne Unsicherheit treffen.
Gute Bücher gibt es viele. In meinen Artikeln zu Buchempfehlungen – Teil 1 und Teil 2 – habe ich ja schon einige empfohlen. Meinen Azubis lege ich gerne „Das einzige Buch das du über Finanzen lesen solltest“ von Finanzfluss nahe. Darin sind viele Basics enthalten.
Günstiger Broker
Holt euch einen günstigen Broker. Es gibt heutzutage eine breite Auswahl an guten Neobrokern, bei denen Sparpläne kostenlos sind und einzelne Trades nur einen kleinen Pauschalbetrag oder auch gar nichts kosten. Seit 2015 habe ich ca. 3.500€ an Gebühren bezahlt. Das ist viel zu viel. Ich hätte früher auf einen günstigen Neobroker umsteigen sollen.
Neue Investitionen mache ich heute nur noch bei Trade Republic. Der Großteil meiner Aktien liegt aber noch bei der Consorsbank.
Budget und Vermögenstracking
Ein Budget zeigt, wie viel Geld für regelmäßige Ausgaben gebraucht wird und wie viel danach zum Sparen zur Verfügung steht. Das Budget sollte aktualisiert werden, sobald sich die Ausgaben oder das Einkommen ändern. Wer ein präzises Budget macht, braucht nicht mehr zu schätzen und zu raten.
Das eigene Vermögen zu tracken, also aufzuzeichnen, hilft dabei zu erkennen, welche Fortschritte man macht. Das zu sehen motiviert und hält einen bei der Stange. Es ist einfacher, Ziele zu erreichen, an denen man sich aktiv misst.
Ich schreibe meinen Vermögensstand immer am Monatsende in eine Excel-Tabelle. Das mache ich jetzt seit 140 Monaten.
Notgroschen
Ein Notgroschen ist die Versicherung fürs Depot. Eine Geldreserve (3-6 Monatsgehälter werden oft empfohlen), die unvorhergesehene Ausgaben abfedert und verhindert, dass man seine Investments wieder auflösen muss. Wie hoch die Reserve sein muss, hängt vom individuellen Lebensstil ab. Das Geld wird bevorzugt auf einem Tagesgeldkonto gelagert. Risikolos und schnell verfügbar muss es sein.
Diszipliniertes Sparen
Damit ein Vermögen anwachsen kann, muss es gefüttert werden. Für die meisten Menschen ist Sparen der einzige Weg, um Vermögen aufzubauen. Ich finde 10-15% vom Netto sollte die Sparrate schon sein. Je mehr, desto besser. Wie viel möglich ist, hängt natürlich wieder stark von der persönlichen Situation jedes Einzelnen ab. Man muss aber aufpassen, dass einem die Sparquote nicht die Luft zum Atmen nimmt. Ich habe es zeitweise auch schon übertrieben und musste dann wieder reduzieren.
Ich spare immer am Anfang des Monats. Sobald mein Gehalt auf mein Konto kommt, geht meine Sparrate automatisch ab. So bezahle ich mich selbst immer zuerst. Ich spare etwa 26% meines Einkommens.
Am besten ist es, man bleibt eisern dran und versucht, die Raten möglichst nie auszusetzen. Um richtig Vermögen aufzubauen, muss man das sehr lange machen.
Wenn man sie doch mal aussetzen muss, ist es aber kein Beinbruch. Um zwei Zahnimplantate (4.000€+) zu bezahlen, musste ich auch mal über Monate pausieren.
Eventuell kommt man an den Punkt, an dem das Sparen nur noch wenig Sinn ergibt. Dazu habe ich hier mal etwas geschrieben.
ETFs reichen eigentlich
Der interne Zinsfuß des MSCI-World liegt seit 2015 bei ungefähr 11% pro Jahr. Das heißt, seitdem hat er sich mit diesem Zinssatz selbst verzinst. Mein Depot, mit 70% Einzelaktien und 30% ETFs, hat im gleichen Zeitraum einen IZF von 14%. Damit habe ich den MSCI-World geschlagen. Für diese Outperformance habe ich aber sehr viel Zeit und Herzblut investiert.
Ein guter ETF reicht also für den Vermögensaufbau völlig aus. Man investiert einfach was man kann und lässt ihn laufen. Wer am Investieren Spaß hat, wie ich, kann natürlich auch den komplizierten Weg gehen.
Diversifikation
Die höchsten Gewinne werden mit sehr geringer oder keiner Diversifikation gemacht. Die höchsten Verluste aber auch. Wer langsam vermögend werden will (und das auch mit Einzelaktien), sollte also sein Risiko im Blick behalten. Indem man sein Geld auf mehrere Investments verteilt, lässt sich das Risiko, größere Verluste zu machen, reduzieren. Ich versuche mit meinen Aktien, mein Geld auf die 11 großen Sektoren zu verteilen. Indem ich auch 30% ETFs, Edelmetalle und Kryptos halte, streue ich mein Risiko noch weiter. Die eigene Rendite gleicht sich so immer mehr der Marktrendite an. Das nehme ich aber in Kauf. Verluste schmerzen mehr als Gewinne guttun.
Überzeugungskäufe statt heiße Tipps
Ich versuche nur Aktien zu kaufen, die „mit mir sprechen.“ Das soll heißen, ich kann mich mit dem Unternehmen identifizieren und verstehe, was es eigentlich macht. Nur wenn ich das Geschäftsmodell grob verstehe, kann ich mir selbst eine Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens machen. Das hilft mir dann dabei, die Aktie lange zu halten. Auch bei Kurseinbrüchen kann ich die Ursachen besser verstehen. Das erleichtert es, die eigenen Entscheidungen gegeneinander abzuwägen.
Passende Aktien kann jeder in seinem Umfeld finden. Ihr benutzt YouTube, Google Maps oder habt ein Android-Handy? Wie wärs mit der Alphabet Aktie?
Ihr trinkt gerne Coca-Cola oder tragt ausschließlich Nikes? Ihr versteht, was ich meine.
Ich habe aber schon einige Menschen getroffen, die Aktien besaßen, von denen sie mir nicht sagen konnten, was die Firma überhaupt macht. Diese Kauftipps hatten sie aus dem Internet oder von Freunden. Wer so investiert, betreibt in meinen Augen Glücksspiel.
Goldmedaillengewinner
Gerald Hörhan hat in einem seiner Bücher die „Goldmedaillengewinner“ der Aktien angepriesen. Das ist bei mir haften geblieben und ich finde das Prinzip bis heute klasse. Es sind Unternehmen, die das Rennen quasi schon gewonnen haben. Aktien von Marktführern, die den Markt in ihrer Hand haben, die Preise diktieren, die Trends setzen und im großen Stil skalieren.
Booking, Coca-Cola, Visa, John Deere sind einige Beispiele. Aber auch die großen Big-Techs gehören dazu. Diese Firmen sind oft imstande, ihre Gewinne und Umsätze noch viele Jahre und Jahrzehnte weiter verlässlich zu steigern und Mehrwert für ihre Aktionäre zu erwirtschaften.
Geduld / Gewinner laufen lassen / Buy and Hold
Hat man sich dann die richtigen, hochqualitativen, Aktien und ETFs ausgesucht und ins Depot gelegt, heißt es warten. Am meisten Geld lässt sich an der Börse verdienen, indem man rein gar nichts tut. Gerade am Anfang kommt einem der Vermögensaufbau langsam und zäh vor. Da hilft es nur, geduldig zu bleiben und weiterzumachen.
Meine ältesten Aktien sind die, mit denen ich die höchsten Gewinne habe. Microsoft, Alphabet und Amazon besitze ich schon fast seit 10 Jahren. Alle haben sich seitdem vervielfacht. Wer Gewinne immer nach 10% abverkauft, wird nie die dicken Multibagger (Vervielfacher) im Depot haben. Auch sehr gute Firmen brauchen Zeit, um zu wachsen und sich zu entwickeln.
Also einfach Füße stillhalten und genießen! Vom Umschichten von gut gelaufenen Aktien hin zu schlecht gelaufenen, halte ich nicht viel. Lediglich wenn eine Aktie innerhalb kürzester Zeit raketenartig ansteigt (NVIDIA), nehme ich auch mal Gewinne mit.
Crashs und Bärenmärkte aussitzen
Crashs und Bärenmärkte zu vermeiden ist schwierig bis unmöglich. Sie vorherzusagen ist nichts weiter als raten. Antizipiert man einen Crash und verkauft seine Aktien, fallen Steuern und Transaktionskosten an, die die Gewinne auffressen. Möchte man bei dieser Aktie dann wieder einsteigen, muss man an einem sehr viel tieferen Wert kaufen, um die Differenz auszugleichen.
Rücksetzer sind an der Börse ganz normal. In diesen Zeiten fließt das Geld von den „Zittrigen“ zu den „Hartgesottenen“. So hat es André Kostolany formuliert. Mit anderen Worten, wer Panik bekommt und aus Angst verkauft, verkauft meist schon mit Verlust. Dieser Verlust wird zum Gewinn der Käufer, sobald die Märkte wieder steigen. Und da sie das bisher immer getan haben, werden sie es auch beim nächsten Crash wieder tun.
Also lohnt es sich immer, in schlechten Marktphasen ruhig zu bleiben und gute Aktien günstig nachzukaufen. Das senkt die Einstiegskurse und sorgt für höhere Gewinne später.
Eigentlich ganz einfach.
Erträge und Dividenden reinvestieren
Dieser Punkt sollte selbsterklärend sein. Wenn die Erträge reinvestiert werden, wird der Schneeball größer und der Vermögenszuwachs nimmt dank des Zinseszins-Effekts richtig Fahrt auf. Auf Englisch heißt das „Compounding“.
Wer seine Erträge verkonsumiert, nimmt sich selbst den Wind aus den Segeln.
Immer voll investiert bleiben (All-in)
Über diesen Punkt lässt sich sicher streiten. Ich bin jedoch ein absoluter Verfechter davon, keine Cashreserve für Investitionen zu halten. Daher wird bei mir alles investiert, was da ist – vom Notgroschen abgesehen.
Im Schnitt steigen die Märkte an mehr Tagen, als dass sie fallen. Ich erachte es daher als sinnvoller, immer voll investiert zu sein und das Geld arbeiten zu lassen. Es ist noch nie vorgekommen, dass ich Geld verfügbar hatte und keine attraktive Aktie für Nachkäufe oder neue Investitionen gefunden habe.
Es gibt noch einen Vorteil, wenn man immer voll investiert ist. Die Emotionen bleiben aus dem Spiel. Man muss nicht versuchen eine größere Menge Geld zu einem scheinbar günstigen Moment im Markt unterzubringen.
Hohes Risiko nur mit kleinen Beträgen
Manchmal kommt es vor, dass einen der Wahnsinn packt und man seinen Spieltrieb etwas befriedigen muss. Oder man hat einfach mal Lust auf etwas Riskantes. Wenn das so ist, darf man diesem Drang auch mal nachgeben. Dann aber mit kleinen Beträgen, die beim Totalverlust nicht schmerzen.
Ich hatte meine Totalverluste (zweimal) ausnahmslos bei hochriskanten Wetten auf chinesische Start-ups oder Pennystocks. Die Verluste waren dank kleiner Einsätze gering.
Niemals aufgeben
Der Vermögensaufbau ist ein Marathon. Es dauert lange. Deshalb heißt es auch „Aufbau“ und nicht „Gewinn“. Wer so leben möchte, wie kaum jemand sonst, muss dafür auch lange Zeit ein Leben führen wie kaum jemand sonst. Während andere sich alles gönnen und kaufen, was der Geldbeutel so hergibt, muss man oft zusehen und seine stille Befriedigung daraus ziehen, dass man ein größeres Ziel verfolgt. Ein Ziel, das einem mehr gibt, als es ein Konsumgegenstand jemals könnte.
Darum muss man dabei bleiben und durchhalten. Bevor man aufgibt, lässt man es lieber etwas ruhiger angehen und macht langsamer weiter.
Mein Ratschlag
Mein Ratschlag an alle, die Vermögen aufbauen wollen:
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Nehmt es ernst und gebt euch Mühe.
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Investiert in Fachwissen – es lohnt sich.
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Macht den Vermögensaufbau zu einem Projekt in eurem Leben.
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Denkt nicht, dass ihr schlauer seid als alle anderen.
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Lernt kontinuierlich dazu und ändert vorgefertigte Meinungen, wo es nötig ist.
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Verzettelt euch nicht im Perfektionismus, aber versucht jeden Aspekt gut zu machen.
Ich wünsche uns allen die mentale Stärke, die wir brauchen, um die Mathematik in Ruhe ihre Arbeit machen zu lassen!