Was macht man eigentlich mit Wachstumsaktien? Wofür hat man sie?
Wachstumsunternehmen schaffen es, ihren eigenen Unternehmenswert über lange Zeit zu steigern. Anstatt hohe Dividenden zu zahlen, investieren sie in sich selbst. Die Gewinne werden beispielsweise in neue Maschinen, Immobilien oder Technologien investiert. Einige ältere und reife Wachstumsunternehmen – meist Technologieunternehmen – schütten eine Dividende an ihre Aktionäre aus, sie fällt allerdings meist gering aus.
Die erfolgreichsten unten ihnen schaffen es, ihren Wert immer wieder zu vervielfachen.
Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten, diese Aktien als Privatinvestor zu nutzen.
Anmerkung: Es soll hier nur um die Verwertung von Gewinnen gehen. Verlustbegrenzung werde ich hier nicht ansprechen.
Vererben
Wenn man die Aktien zu Lebzeiten schlicht nicht anfassen möchte, kann man sie natürlich vererben. An den Lebenspartner, die eigenen Kinder oder eine Organisation, die einem am Herzen liegt.
Ein recht bekannter YouTuber und Blogger wiederholt gerne gebetsmühlenartig, dass er seine Aktien nie wieder verkaufen wird. Er wird oft gefragt, warum er sie dann überhaupt gekauft hat. „Vermögensaufbau“ ist meist die Antwort. Das ist natürlich legitim, auch wenn das reine Horten von Aktien paradox erscheint.
Wenn diese Aktien dann keine Dividenden ausschütten, bedeutet es zwangsläufig, dass man persönlich nicht von ihnen profitieren wird. Irgendwann wird es dann wohl auf das Vererben hinauslaufen.
Halten und auf Dividenden warten – bzw. hoffen
Will man selbst von einer Aktie profitieren, macht es nur Sinn, sie ewig zu halten, wenn sie Dividenden bezahlt. Mit wie viel Dividende man zufrieden ist, ist natürlich individuell verschieden. Will man nur ein zusätzliches Taschengeld, reicht oft schon eine geringere Dividende. Will man davon leben, sollte es etwas mehr sein – sonst wird die benötigte Gesamtsumme astronomisch hoch.
Jetzt gibt es aber viele Wachstumswerte, die gar keine oder nur wenig Dividende bezahlen. So hat zum Beispiel Amazon noch nie eine Dividende bezahlt und es gibt keinerlei Ankündigungen, dass sich das in nächster Zeit ändern soll.
Anders ist es bei Alphabet. Hier wird seit 2024 eine geringe Dividende in Höhe von etwa 0,25 % bezahlt.
Diese beiden Aktien könnte man jetzt ewig halten, in der Hoffnung, dass begonnen wird, Dividenden zu zahlen oder dass diese im Laufe der Zeit kräftig gesteigert werden.
Ein gutes Beispiel für so ein Unternehmen ist Microsoft.
-
MSFT hat 2003 begonnen Dividende zu zahlen. Damals 0,08 USD
-
Pro Jahr wurde die Dividende um 10-15 % gesteigert
-
2025 bezahlte MSFT schon 3,40 USD pro Aktie
-
Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei etwa 0,7 %
Wenn man eine Aktie wie Microsoft lange hält, steigt die persönliche Dividendenrendite durch das Dividendenwachstum. Da der eigene Einstiegskurs gleich bleibt, steigt dadurch die persönliche Dividendenrendite. Ich habe 2017 damit begonnen, meine Microsoft-Position aufzubauen. Heute habe ich eine persönliche Dividendenrendite von 1,93 %.
Das lange Halten kann sich also vermeintlich lohnen. Allerdings gibt es eins zu bedenken. Dieses Jahr werde ich von Microsoft ziemlich genau 170 € an Dividenden bekommen. Das erscheint stattlich. Allerdings ist meine Microsoft Position Stand heute 24.658 € groß. Die gleiche Summe Geld in Realty Income investiert, hätte mir in diesem Jahr 1.282 € beschert. Das ist 7,5 mal so viel.
Durch das starke Kurswachstum von Microsoft ist also trotz Dividendensteigerungen die totale Ausschüttung auch heute und nach langer Haltedauer vergleichsweise gering.
Bis ich Beträge in Höhe meiner Microsoft-Kursgewinne (+260%) von einer Dividendenaktie ausgeschüttet bekäme, müsste ich aber auch sehr lange warten.
Verkaufen
Jetzt hat man es also geschafft. Man hat eine gute Wachstumsaktie ausgewählt und diese für einen langen Zeitraum gehalten. Über die Zeit haben sich große Kursgewinne angehäuft. Der direkteste Weg, davon zu profitieren, ist schlicht der Verkauf mit Gewinn. Bedenken sollte man immer, dass dabei Kapitalertragssteuer anfällt. Durch das Abführen dieser Steuer wird die verfügbare Reinvestitionssumme geschmälert.
Aber warum und wann sollte man verkaufen?
-
Konsum
Man verkauft die Aktie, weil man sich etwas davon kaufen will. Sei es ein Haus, ein Auto oder Ähnliches. Das habe ich noch nie gemacht und habe es auch nicht vor. Für viele Anleger ist das aber sicher eine Option, und ich möchte das auch gar nicht negativ bewerten.
-
Umschichtungen
Eine Wachstumsaktie kann man auch verkaufen, um den Gewinn auf andere Aktien zu verteilen oder in dividendenstärkere Aktien umzuschichten und damit das eigene Einkommen zu steigern.
-
Einkommen aus Verkäufen
Manche Investoren verkaufen in der Entnahmephase regelmäßig Anteile ihrer ETFs oder Einzelaktien, um sich daraus ein Einkommen zu generieren. Auch mit Wachstumsaktien kann man auf diese Weise ein Einkommen erzeugen, ohne auf Dividendenaktien angewiesen zu sein. Diese Methode funktioniert grundsätzlich, ich selbst habe mich aber langfristig für ein Einkommen einzig aus Dividenden entschieden. Wer mit Verkäufen direkt ein Einkommen erzeugt, hat das Problem, dass sich Kursschwankungen auf die größe des verkauften Depotanteils auswirken. Sinken die Kurse, müssen für das gleiche Einkommen mehr Aktenanteile verkauft werden.
Wann ist der geeignete Zeitpunkt zum Verkauf?
Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten, wann ein Verkauf Sinn ergeben kann.
-
Zielwert ist erreicht
Man setzt sich selbst einen Zielwert. Hat die Aktie den gewünschten Wert erreicht, kann man sie entweder ganz oder in Teilen verkaufen. Ich bin momentan dabei, mir für diverse Aktien und Investments solche Zielwerte zu setzen. Da ich vorhabe, in Zukunft einmal von Dividenden leben zu können, sind Wachstumswerte meine „Cash-Cow“ dafür.
Ich möchte sie dabei aber nach Möglichkeit nie ganz verkaufen und immer einen Grundstock im Depot behalten. Damit habe ich weiterhin die Option, davon zu profitieren, sollte das Investment sich weiterhin gut entwickeln.
Aktien wie Bloom Energy, Robinhood oder meinen Cybersecurity-ETF habe ich nur aus diesen Gründen gekauft. Aber auch für Gold habe ich mir einen Wert gesetzt, bei dem ich den nächsten Teilverkauf machen möchte. Welche Zielmarken ich mir wo gesetzt habe, werde ich mal in einem separaten Artikel mit euch teilen.
-
Eine Position wird zu groß / Eine Aktie wächst extrem schnell
Manche Aktien wachsen so stark, dass sie eine sehr große Position im Depot einnehmen. Daraus kann dann ein Klumpenrisiko resultieren. Ein zu großer Anteil des eigenen Vermögens ist abhängig von einem einzigen Unternehmen. Würde der Gewinn wieder verschwinden und das Unternehmen einen Crash erleiden, wäre der Schmerz zu groß.
Wo dieser Punkt erreicht ist, muss jeder mit sich selbst vereinbaren. Meine größte Einzelaktie ist momentan Alphabet. Sie hat etwas über 9 % Anteil an meinem gesamten Vermögen.

Mit diesem Anteil komme ich noch klar. Ich habe Alphabet schon lange und habe Vertrauen in die Stabilität des Unternehmens. Für die Zukunft sehe ich nach wie vor große Chancen. Bei dieser Aktie wäre bei mir wohl bei 15 % Depotanteil der Punkt erreicht, bis zu dem ich mich noch wohl fühlen würde.
Ein anderes Phänomen ist NVIDIA. Die Aktie habe ich Mitte 2021 als No-Brainer gekauft. Ich dachte mir – die machen gute Grafikkarten – die wird es noch lange geben.
Dann kam die KI-Welle, die „Mutter aller Zyklen“. Meine anfänglich investierte Summe hat sich wieder und wieder verdoppelt. Das Wachstum von NVIDIA´s Umsätzen und Gewinnen – und des Aktienkurses – passierte in einer Geschwindigkeit, die riesig Spaß gemacht hat und gleichzeitig beängstigend war.
Tatsächlich finde ich schnell und stark ansteigende Kurse das schwierigste Szenario, das es an der Börse geben kann. Wie weit geht das noch? Kann das halten?
Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich die erzielten Gewinne nicht wieder verlieren wollte. Wer schnell nach oben steigt, kann auch schnell wieder fallen.
Daher begann ich, einen Teil meiner Aktien stückweise abzuverkaufen.
Sichtbar ist hier nur der Gewinnanteil, nicht der Einstiegsanteil.

Im Nachhinein hat das meine Rendite geschmälert. Den größten Kursgewinn hat meine Restposition erzielt – etwa 1.100 %. Mein bisher einziger Tenbagger.
Aus einem Investment von ca. 4.344 € sind in Summe (Aktuelle Position + Verkäufe) beeindruckende 33.732 € geworden.
Die verbliebene Position mit 60 Anteilen darf jetzt weiter wachsen. Mit den Verkäufen kann ich gut leben. Den absolut höchsten Punkt erreicht man ohnehin nie. Im gleichen Monat habe ich noch Gold für etwa 20.000 € verkauft. Das Geld aus den Verkäufen wurde in Dividendenaktien gesteckt. Mein Einkommen hat sich seither stark erhöht.
Auch hier ist nur der Gewinnanteil sichtbar. Dank erreichter Haltefrist war der Verkauf steuerfrei.

Caveat – Vorbehalt
Dieser Artikel soll niemanden dazu anstacheln, seine Wachstumsaktien zu verkaufen. Ich bin selbst ein großer Vertreter von Buy & Hold. Er soll eher als Denkanstoß dienen, was man mit Wachstumsaktien anstellen kann. Die wenigsten von uns werden nur investieren, um des Investierens willen. Ich sehe Geld als Werkzeug für eine bessere Zukunft an. Von daher ist es nur vernünftig, sich Gedanken zu machen, wie man seine Investitionen für sich und sein Leben nutzen möchte.