Oft hört man „Vermögensaufbau ist ein Marathon und kein Sprint!“. Dem stimme ich absolut zu. Es dauert wirklich lange um ein großes Vermögen aufzubauen. Ganz besonders, wenn es ausreichen soll um davon den Lebensunterhalt für immer zu decken.
Es dauert nicht nur Jahre, es dauert Dekaden. Dafür braucht es sehr viel Geduld.
Diese Geduld habe ich nicht, beziehungsweise nur unter bestimmten Umständen.
Mein Ziel ist simpel, aber dennoch eine Mammutaufgabe. Ich möchte finanziell unabhängig und später einmal finanziell frei werden. Um das zu erreichen brauche ich eine für mich gewaltig erscheinende Summe von etwa 650.000€. Wahrscheinlich brauche ich sogar noch mehr.
Damals der Macher
Am Anfang ist es mir leicht gefallen, meinem Vermögen beim wachsen zuzusehen. In den Anfangsjahren habe ich etwa 350€ monatlich gespart. Um diese Summe ist dann mein Vermögen Monat für Monat gewachsen. Zuverlässig und vorhersehbar. Diese Zeit hat mir damals großen Spaß gemacht. Die Kursentwicklung meiner Aktien hat für mein Vermögen kaum eine Rolle gespielt. Dafür konnte ich sehen, dass meine eigenen Anstrengungen (meine Sparrate) mich stetig nach vorne gebracht haben. Einmal im Jahr wurde ein neuer „Zehntausender“-Meilenstein geknackt, was immer ein besonderes Highlight für mich war. Das Ziel, finanziell unabhängig zu werden, hatte ich damals schon. Aber es lag in derart unerreichbarer Ferne, dass ich ganz geduldig und entspannt weitergemacht habe.
Mein Job war damals auch noch anders. Die Abteilungen in meinem Betrieb waren knapp besetzt und jeder Mann wurde gebraucht. Die Arbeit war stressig und undankbar. Man hatte während der Arbeit keine Zeit um sich über sein Leben viele Gedanken zu machen. Wenn man nach einem Arbeitstag mit matschigem Kopf nach Hause gekommen ist, wollte man einfach nur seine Ruhe haben.
Heute der Beifahrer
Die Jahre zogen vorbei und die Zeiten haben sich geändert.
Mein Vermögen hat sich in den letzten 10 Jahren prächtig entwickelt. Im Prinzip von damals 4k auf heute 400k. Hätte man mir damals gesagt, dass ich in so kurzer Zeit so weit kommen würde, hätte ich es wohl nicht geglaubt.
Das Vermögen hat sich aber auch nicht schlagartig über Nacht dahin entwickelt. Es war ein Wachstumsprozess. Meine Sparrate konnte ich auf zeitweise über 1000€ im Monat anheben, ich habe also meinen Teil dazu beigetragen. Währenddessen sind die Positionen in meinem Depot aber auch durch Kursgewinne gewachsen. Nachdem mich meine Sparrate irgendwann zu sehr geknechtet hat, musste ich sie wieder etwas senken. Jetzt liegt sie bei 600€ im Monat, Dividenden nicht eingerechnet.
Früher war die Sparrate der Hauptwachstumstreiber für mein Vermögen. Das ist heute nicht mehr so. Steigt oder fällt mein Depot an einem Tag um 1%, bedeutet das eine Schwankung von 4000€ für mein Depot. Die 600€, für die ich jeden Monat Aktien kaufe, sind jetzt nur noch ein kleiner Beitrag für das Wachstum meines Vermögens.
Die Kursentwicklungen an der Börse sind sehr viel entscheidender geworden. Ich bin also zu einer Art Beifahrer bei meinem Vermögensaufbau geworden. Es gibt kaum noch Möglichkeiten selbst viel zu beeinflussen.
Das ist natürlich auch in Ordnung so, denn das ist ja genau das, was man sich ursprünglich erhofft hat. Das Depot wächst stärker durch den Zinseszins als durch das eigene Zutun.
Langeweile und Geduld
Nicht nur mein Vermögen, auch mein Job hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Aus der Firma, die mich früher so gnadenlos ausgequetscht hat, ist eine Andere geworden. Personal gibt es jetzt zuhauf. Man bemüht sich nicht mehr, gute und ausgebildete Fachkräfte zu behalten und zu fördern. Stattdessen werden für jeden der geht einfach zwei neue Personen beschäftigt. Die Hektik, der Stress und der Zeitdruck sind der Langeweile gewichen. Jeden Tag habe ich viel Zeit um über mein Leben nachzudenken. Monat für Monat wächst dabei die Unzufriedenheit. Die viele Zeit, die ich im Büro verbringe, würde ich gerne sinnvoller füllen. Mehr Wanderungen, mehr Gaming, mehr Zeit für die Familie. Oder auch mehr Streicheleinheiten für die Katze.
Aber das geht nicht. Ich brauche mein Einkommen um mein Vermögen weiter aufzubauen.
Die finanzielle Unabhängigkeit ist noch nicht erreicht. Wenn ich es grob überschlage und kein Riesencrash, Bärenmarkt oder weiterer Krieg auf uns zurollt, werde ich noch etwa 5 Jahre weiter arbeiten müssen um mein Ziel zu erreichen.
Momentan gewinne ich das Spiel. Mein Vermögen wächst wie es wachsen soll und ich erreiche oder übertreffe meine Jahresziele immer wieder.
Leider habe ich das Gefühl, dass das Einzige, was ich aktiv beisteuern kann, Zeit ist. Ich muss einfach abwarten und der Börse ihre Zeit geben.
Aber das ist schwer. Mehr denn je habe ich das Gefühl, mein Leben nicht so frei gestalten zu können, wie ich es gerne möchte. Die nächsten fünf Jahre erscheinen mir wie ein langer Marathon, der noch vor mir liegt. Der Gedanke daran, dem Ziel stetig näher zu kommen, gibt mir aber auch Kraft. Ich weiß, dass ich den Weg bis zum Ende durchhalten werde. Auch wenn das Finale nicht spektakulär, sondern in erster Linie langweilig und zäh wird. Ich werde mich wohl weiter in Geduld üben müssen, und wie Tim Schäfer immer sagt, stur und stetig weitermachen.
Wenn ihr Tipps habt, wie ihr euch während der Ansparphase bei Laune haltet, nur her damit!