Das Götzendepot

Hallo zusammen,

bei dem Gedanken an sein Depot sollte es jedem, der nach der finanziellen Freiheit strebt, warm ums Herz werden. Schließlich verspricht es uns so vieles, was uns aktuell im Leben fehlt. Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, finanzielle Sorglosigkeit und alle Zeit der Welt für die wichtigen Dinge.

Da steht dieses Depot auf seinem marmornen Sockel und verkündet all das Gute, nachdem wir streben. Aber leider nicht sofort und ganz besonders, nicht umsonst.

Denn wir müssen dem Depot huldigen, so wie einst das Gefolge eines Baalkultes im Altertum sein goldenes Lamm angebetet hat.

Regelmäßig müssen Opfer gebracht werden. Das Leben muss in Demut und Genügsamkeit geführt werden. Es muss verzichtet werden. Selbstkasteiung bis aufs Blut!

Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht. Parallelen sind aber klar erkennbar.

Damit die Verheißungen der finanziellen Freiheit eines Tages zur Wahrheit werden können, muss viel passieren. Wir müssen über Jahre oder Dekaden Geld anhäufen und in den meisten Fällen auf viele Dinge verzichten, die uns den Alltag schon jetzt versüßen könnten. Wenn Einkommen nicht im großen Maße vorhanden ist, muss die Sparquote es richten. Nur wenn sie hoch genug ist, kann das Depot in einer Geschwindigkeit wachsen, die es einem tatsächlich in erreichbarer Zukunft ermöglicht, das große Ziel zu erreichen.

Das kann dazu führen, dass man sich nicht wohlhabend fühlt, auch wenn man mit dem Vermögensaufbau voran kommt. Das aufgebaute Vermögen gibt einem Sicherheit und in einem Ernstfall – wie dem Verlust des Jobs – fällt man deutlich weicher. Das Leben aber aktiv positiv beeinflussen tut das Depot erstmal nicht.

Es dauert also ganz schön lange, bis das eigene Vermögen seinen „Teil dazu beiträgt“.

Bis dahin ist es weitestgehend „nutzlos“ und bietet lediglich das gute Gefühl, auf dem richtigen Wege zu sein. Um den Zinseszins richtig zu nutzen, müssen die leckeren Dividenden reinvestiert werden. Genauso steht es um die saftigen Kursgewinne, wenn den einmal welche realisiert werden.

Für viele wird das Depot – in all seinem Glanz – aber dennoch unantastbar, das halbe Leben lang über ihnen schweben, während sie ihm folgen und daran glauben.

Während das Gefolge des Baal lediglich auf eine Einlösung der versprochenen Leistungen hoffen durfte, hat das Depot einen gewaltigen Vorteil.

Es wird liefern. Wenn der Zielwert erreicht ist, ist der Rest nur noch Mathematik. Das Depot wird dann das zum Leben beisteuern, was man sich ausgerechnet hat – solange man richtig gerechnet hat. Selbst wenn man vorzeitig abbrechen sollte, war die ganze Sparerei dennoch nicht umsonst. Der entstandene Wert steht einem zu und man kann ihn nutzen wie man möchte.

Lasst uns also weiterhin fleißig dem Depot huldigen und ihm regelmäßig Opfer darbringen!

Viele Grüße

Der doofe Andi

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