Mein eigener Blog – ein DIY-Spießrutenlauf

Kann man ja mal machen

Seit ich investiere, das mache ich aktiv seit 2015, konsumiere ich gerne diverse Medien zu den Themen Sparen, Investieren und auch ein bisschen zum Frugalismus. Ich schaue Videos auf YouTube und lese Bücher. 2025 habe ich sogar die Invest in Stuttgart besucht und diesen Monat, am 16.10, war ich bei der Firma Bechtle beim Investorentag „Bechtle meets Goldesel / Investflow“.

Es macht mir großen Spaß mir viele Eindrücke und Inspirationen zu meinem größten Hobby einzuholen. Ich lerne gerne dazu und tausche mich aus.

Aber ich spreche auch gerne über das Investieren. Mit Freunden, der Familie, Arbeitskollegen oder meinen Azubis. Wer auch immer dafür empfänglich ist und Lust darauf hat. Denn der doofe Andi hat eigentlich immer Lust drauf.

Irgendwann bin ich natürlich auch über Blogs gestolpert. So habe ich als Erstes alles von Frugalisten.de gelesen. Da der Autor leider nur selten (aber sehr lesenswert) schreibt, war ich damit schnell fertig.

Dann habe ich vor etwa zwei Jahren den Blog von Matthias gefunden – Getmad.de

Der Blog von Matthias geht bis ins Jahr 2013 zurück. Seitdem schreibt er über seinen finanziellen und persönlichen Werdegang. Der Blog hatte es mir sofort angetan und ich habe jeden Artikel gelesen. Mir gefällt sein Stil. Er macht keine trockenen Aktienanalysen. Er gibt auch keine Geheimtipps. Er schreibt darüber, wie er selbst die Dinge angeht und was ihm dabei im Kopf herumschwirrt. Manchmal schreibt er auch über beliebige Themen, die ihn gerade beschäftigen.

Seine Webseite ist simpel und überschaubar. Mit einem tollen Archiv, in dem man übersichtlich alle Artikel aufgelistet sieht.

Das würde mir auch Spaß machen, habe ich mir gedacht. Ich war schon länger auf der Suche nach einer Nebenbeschäftigung, die mich erfüllt und an der ich mich etwas austoben kann. Verdienst ist dabei eher nebensächlich. Einige Versuche hatte ich schon unternommen, aber nichts davon war wirklich etwas für mich. 

Aber schreiben – ja, das könnte passen. Ich beobachte meine Umgebung und die darin enthaltenen Personen immer sehr genau. Alleine mit meinen Beobachtungen könnte ich ganze Bücher füllen. Dazu noch Themen rund ums Investieren, perfekt!

 

So schwer wird es nicht sein!?

Die Entscheidung stand also. Ich starte einen Blog.

Jetzt ist es so, dass ich keinerlei IT-Hintergrund habe. Ich bin kein Programmierer und habe noch nie eine Webseite gebaut, betrieben oder sonst damit zu tun gehabt.

Ich hatte schlicht keine Ahnung wie so etwas geht und was man dafür braucht.

Also habe ich mich erstmal vertrauensvoll an ChatGPT gewandt. Schnell wurde klar, dass ich den Blog wohl über WordPress aufsetzen würde, weil das wohl am gängigsten ist und man die meisten Freiheiten hat.

Nach und nach hat mir GPT eröffnet, dass es außerhalb des Bauens und Hostens der Seite noch die ein oder andere kleine Hürde zu meistern gibt, wenn man in Deutschland einen Blog betreiben will. Wenn man nämlich auch nur den kleinsten Gedanken im Kopf hat, jemals mit der Webseite ein paar Euro zu verdienen, braucht man mehr als nur eine Webseite. Viel mehr.

Hier ist die Liste der Hürden, die einem in den Weg gestellt werden:

 

  1. Server / Hosting

Der Platz auf dem die Webseite läuft. Registrierung und monatliche Zahlung(5€).

 

  1. Webseite

Muss „gebaut“ werden – das war der größte Knackpunkt für mich.

 

  1. SSL-Verschlüsselung

Sorgt für eine verschlüsselte Verbindung und mehr Sicherheit – kostet monatlich (1€)

 

  1. Impressum

Enthält den Haftungsausschluss und den eigenen Klarnamen. Wenn man nicht will, dass die ganze Adresse dasteht, braucht man Punkt 5.

 

  1. Impressumsservice

Ersetzt die eigene Anschrift durch eine zwischengeschaltete Firmenanschrift. Kostet monatlich (4€). Wenn bei der Servicefirma ein Brief eingeht, wird er an mich weitergeleitet. Bei einem privaten Finanzblog vermutlich nützlich…

 

  1. Cookie-Hinweis / Cookie-Richtlinie

Informiert die Besucher über die Verwendung von Cookies und holt gegebenenfalls deren Zustimmung ein. Während technisch notwendige Cookies in der Regel keine Zustimmung benötigen, ist diese bei Cookies für Analyse- oder Werbezwecke erforderlich.

 

  1. Datenschutzerklärung

Gesetzliche Informationspflicht für die Besucher (deren Rechte, Datennutzung usw.) Ein Fehlen kann zu kostenpflichtigen Abmahnungen von Konkurrenten oder Abmahnvereinen (so weit sind wir schon) führen.

Ohne sie steht man mit beiden Beinen im Knast, mit ihr nur mit einem.

 

  1. Angemeldetes Unternehmen

Wenn man mit seinem Blog irgendwann eventuell Geld verdienen möchte, muss man sich auch mit dem Thema Gewerbeanmeldung beschäftigen. Ob tatsächlich ein Gewerbe angemeldet werden muss, hängt von der Art der Tätigkeit ab. Bei mir war das der Fall. Ab diesem Zeitpunkt kommen auch steuerliche Pflichten hinzu – unabhängig davon, ob man bereits Einnahmen erzielt oder nicht. Die Ausgaben müssen also bei der Steuererklärung angegeben werden.

 

  1. Geschäftskonto

Es erleichtert die Trennung von privaten und geschäftlichen Abrechnungen und erleichtert somit die Steuererklärung. Vorgeschrieben ist das Konto nicht.

 

    10. Google Analytics (Optional)

Muss bei WordPress eingerichtet werden. Ohne Analytics weiß man nicht, ob überhaupt jemand die Seite besucht.

 

Ahh ja….

Gar nicht so einfach!

Das waren viele Dinge, die ich brauchte. Vom Einrichten eines Kontos mal abgesehen, hatte ich von keinem davon eine Ahnung. Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Texte veröffentlichen…

 

Hürde für Hürde

Ich habe mich davon nicht vergraulen lassen und beschlossen das persönlich zu nehmen. Es ging also los. Zum Amt gegangen und Gewerbe angemeldet. Mit der Gewerbeanmeldung beim Finanzamt eingeloggt und ca. 30 Seiten Steuerformulare ausgefüllt. Impressumsservice beauftragt, SSL-Verschlüsselung gebucht, Geschäftskonto eröffnet, Datenschutzerklärung zusammengefummelt, Cookie-Box installiert und und und.

 

Webseite bauen

Wie schon gesagt, ich hatte keine Ahnung wie man eine Webseite baut. Ich habe mir dazu ein WordPress-Tutorial Video auf YouTube angeschaut und parallel dazu „mitgebaut“. Mit der Zeit habe ich bestimmt 10 Plugins installiert, die man für alles Mögliche braucht.

Als ich mit dem Tutorial an meine Grenzen gekommen bin, hat GPT übernommen. Für manche Optimierungen hat mir die KI seitenweise CSS-Zeilen geschrieben. Ich bin heute sicher, dass der Blog ohne die Unterstützung der KI nicht existieren würde. (Meine Artikel sind KI-frei, keine Sorge.)

Ich habe also immer mal wieder für 2-3 Stunden an der Seite gebastelt, bis der Frust zu groß wurde oder ein Etappenziel erreicht war. Das ging so über einige Wochen – mit Pausen dazwischen.

 

Ende gut alles gut

Am Ende wurde die Seite dann doch fertig und ging im Juli 2025 live. Die Webseite ist keine Schönheit und sie hat auch keine raffinierten Features. Aber sie funktioniert. Ich kann meine Artikel schreiben und sie mit euch teilen. Der Wartungsaufwand der Seite ist jetzt wirklich gering.

Es gibt sicher viele Menschen, denen es deutlich leichter fällt, so eine Seite zu bauen. Ich selbst habe dabei definitiv ein paar graue Haare bekommen und einige Wuttränen unterdrückt. Am Ende bin ich aber recht zufrieden mit dem Erreichten und auch ein bisschen stolz. Ich habe jedenfalls nicht klein beigegeben.

 

Ein Blog heutzutage?

Macht es Sinn, heutzutage einen Blog zu starten? Ich denke, es macht nur noch Sinn, wenn man es wirklich will. Die meisten Leute in meinem Arbeitsumfeld (Kaufmännische Bürotätigkeit) sind mit dem Lesen einer einzigen Din-A4-Seite fast überfordert. Die wenigsten haben jemals ein Buch gelesen. Die Jugend schaut ihre 10 Sekunden TikTok Videos. Lesen ist wohl so „out“ wie nie zuvor.

Dazu kommt die KI. Sie dürfte wohl der letzte Nagel im Sarg der Blogger sein. Informationen bekommt man direkt vorgekaut – der Besuch einer Webseite ist nur noch nötig, wenn man etwas kaufen will. Blogs und Foren werden dadurch umgangen.

Ein richtiger, von Menschen geschriebener Blog ist heute wohl nur noch etwas für Connoisseure. Aber was solls – für die schreibe ich gerne!

Stand heute habe ich über 60 Artikel geschrieben. An einem Tag ohne neuen Artikel verirren sich etwa 10 Leute auf meine Seite. An Tagen mit einem neuen Artikel können es auch mal 100 sein – Getmad.de sei Dank!

Matthias hat meinen Blog in seinen Finanzblog-Feed aufgenommen. Einfach so. Wir hatten nie miteinander Kontakt. Dem Feed verdanke ich etwa zwei Drittel meiner Besucher.

 

Schlusswort

Das ist also meine Geschichte, wie ich zu dem Blog gekommen bin. Deutschland und die EU machen einem den Start nicht leicht. Der nötige Aufwand und die Hürden für etwas so „belangloses“ sind in meinen Augen lächerlich. Es ist nicht verwunderlich, dass es gar nicht viele solcher Blogs gibt.

Habe ich es bereut? Nein! Würde ich es nochmal machen? Nein!

Wenn ihr es trotzdem versuchen wollt, wünsche ich euch ein gutes Gelingen! Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, wie einige Menschen von den eigenen Texten unterhalten, inspiriert oder getriggert werden.

 

Für die Installation des „Buy-me-a-coffee“ Buttons habe ich direkt scharfe Kritik bekommen. Wie kann ich es mit meinem Vermögen wagen, meine Leser anzubetteln!?

Das tue ich nicht. Wer mich bei den Kosten der Webseite unterstützen oder mir für die vielen Stunden Arbeit, die ich in die Seite und die Artikel stecke, auf diesem Wege ein kleines Dankeschön dalassen möchte, kann das gerne machen. Wenn nicht – auch kein Problem!

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