In quasi allen Finanzvideos im Internet wird über Autos gesprochen. Sie werden weitläufig als das große Hindernis gehandelt, dass den Vermögensaufbau stört. Sie sind teuer, haben hohe Wartungs- und Instandhaltungskosten, brauchen viel Platz und stehen den Großteil des Tages irgendwo unproduktiv in der Gegend herum. Umweltschädlich sind sie noch dazu. Und hat man ein tolles Auto, muss man offensichtlich etwas kompensieren.
Ob jemand ein Auto braucht oder nicht und ob das gewählte Auto sinnvoll ist, auch ob es zu teuer ist – all das wird heutzutage im Internet-Kollektiv in Abwesenheit des Besitzers entschieden. Das gefällte Urteil wird dann per Kommentar verkündet.
Ich will mich meiner Verantwortung nicht entziehen. Auch ich mache mich schon seit Jahren schuldig, ein Auto zu besitzen. Mittlerweile bin ich schon bei meinem dritten angekommen.
Jetzt ist es so, dass ich im Schwarzwald lebe. Bis zu meinem Arbeitsplatz sind es 15,5 Kilometer. Um dorthin zu gelangen muss ich eine große Kreisstadt komplett durchqueren. Ja, das könnte ich auch mit dem Fahrrad machen. Ich will es aber nicht. Weder bei Regen, noch bei 38 Grad.
Ich mag mein Auto. Es gibt mir die Freiheit, zügig dorthin zu kommen, wo ich hinmöchte – und zwar dann, wenn ich es möchte. Es schützt mich vor Nässe, Kälte, Hitze und anderen Verkehrsteilnehmern. Morgens gibt es mir eine knappe halbe Stunde, die ich ganz für mich alleine habe. Wenn ich viel eingekauft habe, nimmt es mir das Geschleife ab. Und wenn ich mal wieder die Vogesen abklappern will oder eine Nacht in einer anderen Stadt verbringen will, bringt es mich auch dorthin.
Ich bin kein großer Auto-Enthusiast. Von einem Satz Felgen abgesehen, habe ich nie eine Änderung an einem meiner Autos vorgenommen. Ich verbringe auch nicht jeden Samstag damit mein „heiliges Blechle“ zu putzen. Ich fahre seit jeher nur etwa 10.000 Kilometer pro Jahr. Trotzdem mochte und mag ich jedes meiner Autos. Hier stelle ich euch jetzt mal meine drei bisherigen Autos in der Reihenfolge ihrer Anschaffung vor und erzähle ein bisschen was zu ihnen.
Die Bilder sind alle von meinen echten Autos. Lediglich die Nummernschilder wurden angepasst und eventuell sichtbare Personen unkenntlich gemacht.

Mein erstes Auto – der VW Polo 86c Coupé
Mein erstes Auto war also ein VW Polo 86c Coupé. Erstzulassung 1995. Er hatte einen 1 Liter Vierzylindermotor mit stattlichen 45 PS und einem 4-Gang-Schaltgetriebe. Mit nur etwa 750 Kg ein echtes Leichtgewicht. 0 auf 100 in zwanzig Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 145 km/h! Der Polo hatte in dieser Version schon das Facelift.
2005 bin ich 18 geworden. Bis ich den Führerschein hatte, war es allerdings schon Juni 2006 und ich war bereits 19. Ein Jahr später, 2007, habe ich dann mein ABI gemacht. Damals habe ich mir immer reichlich Zeit für alles gelassen…
Den Führerschein habe ich übrigens auf Anhieb bestanden. Wenn ich das noch richtig zusammenkriege hat er mich ca. 1250€ gekostet. Verglichen mit den Preisen heutzutage war das noch einigermaßen erschwinglich. Mein Patenonkel hatte immer etwas für mich gespart (auf einem Sparbuch). Mit diesem Geld habe ich den Lappen dann bezahlt.
Kurz nachdem ich den Führerschein gemacht habe, habe ich mir dann diesen hübschen Polo gekauft. Ich habe ihn auf Autoscout bei einem privaten Anbieter entdeckt und habe genau 1000€ dafür bezahlt. Ein echter Schnapper, wie sich später gezeigt hat. Das Geld habe ich mir bei Ferienjobs in einer Druckerei und einer Werkstatt verdient.
Der 86c war einfach ein Auto, nicht weniger aber ganz sicher auch nicht mehr. Er hatte quasi nichts elektrisches. Die Fenster und das Schiebedach wurden per Kurbel geöffnet. Es gab keine Klimaanlage. Für die musikalische Unterhaltung gab es ein Autoradio mit Kasettenfach. Meine Musik habe ich damals also tatsächlich noch von der Kasette gehört.
Die Sicherheitsmechanismen waren für aktuelle Standards untragbar. Keine Servo-Lenkung, keine Airbags, kein ESP und kein ABS. Heutzutage wäre mir das klar zu wenig. Damals war es aber für Autos in dieser Größenklasse normal. Man hat sich nichts dazu gedacht.
Der Polo war super, ich habe viele gute Erinnerungen daran. Ausflüge mit Freunden und die wöchentlichen Fahrten mit meinen mit-Azubis in die Berufschule.
Er war langsam. Einen Traktor zu überholen war schon das höchste der Gefühle und ein echtes Abenteuer. Fuhr man einen Berg an, musste man schonmal runterschalten um die Steigung zu schaffen.
Anstelle eines Drehzahlmessers hatte er einfach eine analoge Uhr. Geschaltet wurde also nach Gehör. Aber das Auto war schon damals kultig und ich würde gerne mal wieder eine Runde damit drehen.
Zudem war er ausgesprochen wirtschaftlich.
Einmal bin ich einer Fahrschule aufgefahren (mein einziger selbst verschuldeter Unfall). Ich bin dem Fahrschulgolf mit wenigen km/h auf das Heck gerollt. Der Golf hatte einen Kratzer, bei meinem Polo war die ganze Front eingedrückt. In meiner bevorzugten Werkstatt, spezialisiert auf Oldtimer, hat man mir die Front für 60€ ersetzt! Inklusive Scheinwerfer und der Motorhaube. Der Kratzer am Golf hat mich 800€ gekostet.
Einmal war ein Radlager ausgeschlagen, das waren 15€. Ein Aussenspiegel ist mir mal abgefallen, das waren 10€. Heutzutage kaum zu glauben.
Wenn man die Motorhaube aufgemacht hat, konnte man glatt bis auf den Boden durchschauen, so klein war der Motor. Dementsprechend ist man an alles super drangekommen. Ist mir mal eine Glühbirne in den Scheinwerfern durchgebrannt, konnte ich mir direkt an der Tankstelle eine neue kaufen und vor Ort wechseln. Mach das mal bei einem neuen Modell!
Aber alles hat ein Ende und meine gemeinsame Zeit mit meinem ersten Polo endete in einer Nacht im Jahr 2011. Mein Auto hatte ich in dieser Nacht leider auf dem Gehweg neben der Hauptstraße geparkt. Mitten in der Nacht klingelten ein paar Jugendliche sturm an der Tür. Ein junges Mädchen war mit ihrem Auto mit hoher Geschwindigkeit auf mein geparktes Auto draufgefahren und danach mit ihrem Auto geflohen. Die Jungs hatten die Polizei gerufen. Mein Auto war ein Totalschaden.
Der nagelneue BMW des Mädchens auch, wie sich später herausstellte. Sie hatte 2 Promille gehabt und wurde von der Polizei eine Querstraße weiter vor ihrem eigenen Haus gestellt. Sie ist in der Grundschule mit mir in eine Klasse gegangen.
Für meinen kaputten Polo habe ich von ihr 1.000€ bekommen. Genausoviel wie ich 5 Jahre vorher dafür bezahlt hatte.


Mein zweites Auto – VW Polo 9n3
Nachdem mir mein erstes Auto leider gewaltsam genommen wurde, brauchte ich schnell Ersatz. Mit meinem ersten VW hatte ich gute Erfahrungen gemacht, deshalb wollte ich wieder einen Polo. Der 9n3 mit seinem Facelift-Gesicht hatte mir damals immer schon gut gefallen. Auf Autoscout fand ich einen passenden. Baujahr war 2009 wenn ich mich nicht irre und er hatte etwa 60.000 Kilometer gelaufen. Der Preis war mit 9.000€ knackig. Ich wollte aber etwas, mit dem ich erstmal lange keine Probleme haben würde. Kurz zuvor hatte ich einen schmerzhaften Verlust in der Familie. Meine Tante wollte mir daraufhin etwas Gutes tun und hatte mir 3.000€ geschenkt. Meine eigenen Finanzen waren damals komplett unter Wasser. Die restlichen 6.000€ habe ich mir dann von meiner Mutter geliehen. Als ich fertig damit war, den „Kredit“ abzubezahlen, hat sich bei mir unbemerkt etwas Geld angesammelt, was dann zu meinem drastischen Kurswechsel bei meinen persönlichen Finanzen geführt hat.
Der neue Polo war ein massives Upgrade gegenüber meinem Ersten. Er hatte die ganzen modernen Annehmlichkeiten. Servolenkung, Sitzheizung, elektrische Fensterheber, elektrisches Schiebedach, Klimaanlage und ein Autoradio mit CD-Player.
Auch die Sicherheitsfeatures wie Airbags, ESP und ABS waren vorhanden.
Der Vorbesitzer hatte einen coolen Doppelrohrauspuff verbaut und Alufelgen waren auch dabei.
Dazu hat das Auto einfach Spaß gemacht. Ich war damals richtig im siebten Himmel. Der 9n3 hatte den recht seltenen 1,6 Liter Motor. Die 105 PS haben das immer noch relativ leichte Auto (1.100Kg) in etwa 10 Sekunden auf 100 katapultiert. Die Spitzengeschwindigkeit lag bei 190 km/h. Damals waren Turbomotoren noch nicht so verbreitet wie heute und der Polo fuhr sich spritzig und war ausreichend motorisiert. Er hatte eine 5-Gang-Schaltung. Ich hatte immer das Gefühl, dass er auch noch einen sechsten Gang gut vertragen hätte.
Wie mein erster Polo war auch dieser super zuverlässig. Einmal hat eine Zündspule den Geist aufgegeben, sonst hatte ich bis zum Schluss keine Probleme.
Billig im Verbrauch war er allerdings nicht. Der alte 86c hat sich etwa 6 Liter gegönnt, der 9n3 brauchte schon gute 8-9 Liter. Die hohen Verbräuche kommen bei mir dadurch zustande, dass ich fast nur kurze Strecken fahre.
Gefahren habe ich ihn von 2011 bis 2020. Am Ende hatte er etwa 130.000 km gelaufen. In 9 Jahren hatte ich ihn also nur 70.000 Kilometer gefahren.
2019 fing es an, dass bei längerem Regen Wasser in den Fußraum gelaufen ist. Das war übel. Nach einer durchregneten Nacht stand das Wasser tatsächlich 10cm tief in der Wanne. Ich hatte das Auto mehrfach in der Werkstatt. Das Problem konnte aber nicht behoben werden. Ich musste mich also leider von dem Auto trennen.
Damals hatte ich meine Finanzen bereits im Griff und ca. 70.000€ angespart. Zudem wusste ich zu dem Zeitpunkt, dass ich einen größeren Betrag erben würde. Mir war klar, dass wenn ich mir einmal ein besonderes Auto gönnen wollte, dann war jetzt der Moment. Bevor das Erbe richtig angekommen war und ich mich davon nicht mehr trennen wollen würde.
Ein Arbeitskollege hat mir den Polo 9n3 dann abgekauft und der Kauf meines dritten Autos wurde in die Wege geleitet.


Mein drittes Auto – VW Golf 7 GTI Performance
Nach kurzer aber intensiver Recherche war es dann im November 2020 soweit. Ich habe tief in die Tasche gegriffen und mir einen Golf 7 GTI Performance gekauft. Bezahlt habe ich 25.000€. Das Auto wurde 2018 gebaut und hatte damals 40.000 Kilometer auf der Uhr. Schon als ich jünger war, haben mir GTIs immer gefallen. Der böse Golf, der problemlos mit den dicken BMWs, Mercedes usw. mithalten kann, hat seinen Reiz.
Der Golf hat 245 PS, 2 Liter 4 Zylinder mit Turbo, ein 7-Gang DSG-Getriebe, eine Vorderachs-Differenzialsperre und die größere Bremsanlage vom Golf R. 0 auf 100 macht er in etwa 6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h abgeriegelt. Ab 2017 wurde die Facelift-Variante gebaut.
Innen hat er ein digitales Tacho auf dem man sich alles Mögliche anzeigen lassen kann. Dazu gibt es einen Bordcomputer mit Touch-Screen. Ich kann jetzt also per Bluetooth telefonieren oder meinen Musik USB-Stick verwenden.
Das Auto hatte beim Kauf nur ein Satz Sommerreifen und die original GTI Felgen. Ich habe mir dann einen Satz schwarze 19 Zoll Felgen für den Sommer besorgt. Das war dann auch das einzige Upgrade was ich vorgenommen habe. Ich mag meine Autos unverbastelt.
Der GTI macht schon richtig viel Spaß. Er läuft hervorragend. Alle Bedienelemente sind da, wo man sie haben möchte. Er wirkt solide verbaut und liegt satt auf der Straße. Ich fahre gerne mal zügig wenn die Straße frei ist (Schwarzwald). Ich fahre aber keine Rennen und ich drängle nicht. In den letzten 6 Jahren, in denen ich den Golf gefahren habe, wurde ich nur zweimal geblitzt. Die Höchstgeschwindigkeit habe ich nur einmal erreicht. Autobahnfahrten empfinde ich als eher langweilig und gefährlich.
Zusammen mit einem Freund habe ich aber schon einige Roadtrips gemacht. Unter anderem in den Vogesen. Gerade auf kurvigen Strecken macht das Auto richtig Spaß. Einen guten Sound hat er auch, ohne dass es nervig oder aufdringlich wird.
Den Spaß an dem GTI habe ich in diesen 6 Jahren nicht verloren. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue darauf ihn wieder zu fahren.
Er ist nicht ganz billig, das muss ich zugeben. Auf 100 Kilometer verbraucht er 9,5 Liter. Ein Service kann auch mal 600€ kosten und für einen guten Sommerreifen bezahlt man auch mal 160€. Für einen wohlgemerkt. Für die Vollkasko Versicherung werde ich monatlich um 118€ erleichtert.
Aber momentan ist mir das Auto das Geld wert. Ich bin 39 und damit im besten Alter. Ein bisschen Spaß muss sein und den habe ich damit. Sparen kann ich trotzdem noch genug.
48.000 Kilometer bin ich jetzt mit dem GTI gefahren. Insgesamt ist er 88.000 Kilometer gelaufen. Ich hoffe, dass ich noch lange Spaß daran haben werde.
Was würde ich machen, wenn ich dieses Auto jetzt verlieren würde? Würde ich noch eine Schippe draufsetzen und ein noch stärkeres kaufen?
Nein. Hier ist erstmal Schluss. Ich werde das Auto genießen solange ich kann. Der Golf GTI war und ist für mich ein guter Kompromiss aus Spaß und immer noch bezahlbaren Kosten. Danach plane ich aber wieder etwas moderateres zu fahren. Vielleicht auch mal ein Elektroauto.
Das Erreichen meiner finanziellen Freiheit ist mir wichtiger als ein immer teureres Auto.
Langfristig hätte ich schon mal Spaß an einem Porsche. So etwas will ich mir aber erst gönnen, wenn nach dem Kauf noch ein siebenstelliges Vermögen übrig bleibt. Und sollte ich nie in diese komfortable Situation kommen, ist das für mich auch OK.
Rückblickend hat jedes meiner Autos genau zu der Lebensphase gepasst, in der ich mich damals befand. Vom 45-PS-Polo über den 9N3 bis zum GTI haben mich alle zuverlässig begleitet und viele Erinnerungen geschaffen.