T.I.N.A.

Hallo zusammen,

TINA. There is no alternative. Es gibt keine Alternative.
Normalerweise bezieht sich dieses Kürzel ja auf die Geldanlage in Aktien. Aktien sind die Anlageklasse, die über lange Zeiträume am besten gelaufen und die höchsten Renditen eingefahren haben. Ich stimme dem zu und bin schließlich selbst seit 2015 Aktien am Kaufen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Immer mehr wird mir allerdings klar, dass es auch noch für etwas anderes keine Alternative gibt. Zumindest für mich ist das so. Ich denke dabei an die finanzielle Unabhängigkeit. Warum also ist sie für mich alternativlos geworden?

Nimmt man die Ausbildung dazu, arbeite ich jetzt schon seit 17 Jahren durchgängig. Das ist ein langer Zeitraum. Viele Menschen haben nicht einmal das Glück, überhaupt so lange am Leben zu sein.
Erinnere ich mich an meine Kindheit und meine Jugend bis zum Abitur, kommt mir diese Zeit wie eine Ewigkeit vor. Ständig gab es Neues zu erleben und zu entdecken, das Leben hielt einen großen Meilenstein nach dem anderen parat. Jedes Jahr war vollgepackt mit Ereignissen, und an viele davon kann ich mich noch im positiven oder im negativen Sinn erinnern. Auf jeden Fall war es diese Zeit wert, gelebt zu werden.

Bei den 17 Jahren Arbeit sieht das aus meiner Sicht anders aus. Vor mir hängt gerade der große Kalender von 2025 mit allen Tagen einzeln aufgeführt. Wenn ich mir die Monate anschaue, die in diesem Jahr bereits vergangen sind – Januar bis August – kann ich mich in diesen acht Monaten aber nur an zwei Tage im Job wirklich erinnern: Betriebsversammlung und Firmenfest. Zieht man die Wochenenden ab, bleiben etwa 170 Arbeitstage übrig, an die ich mich nicht erinnern kann. Ein paar kleine Ereignisse sind da natürlich schon noch, aber im Prinzip habe ich in meiner Erinnerung hier nur eine graue Nebelwand. Täglich grüßt das Murmeltier, ewige Wiederholung.
Es sind nicht die ganzen 17 Jahre in dieser Nebelwand verschwunden. Ich habe viele Erinnerungen an die Jahre der Ausbildung. Danach wird es allerdings dunkel. Nur extrem anstrengende Phasen wie Projekte, Systemumstellungen und Inventuren sind im Rückblick noch da. Dazwischen fehlen tausende von Tagen!

Diese Zeit ist weg. Weitestgehend ungenutzt verstrichen. Der einzige Mehrwert, den ich aus dem Großteil dieser Zeit habe – und da bin ich gottfroh darüber –, ist der, dass ich die Zeit genutzt habe, um Vermögen aufzubauen. Somit habe ich zumindest einen Teil dieser fast schon sinnlosen Zeit in Geld umgewandelt und eingefroren.
Wenn ich mir heute vorstelle, ich würde so leben wie die meisten Menschen und hätte mir in all der Zeit nichts aufgebaut, kommt mir das kalte Grauen.

Für mich ist klar: Die Arbeitszeit ist ein reines Mittel zum Zweck und trägt zu einem guten und erfüllten Leben kaum bei. Deshalb muss sie so kurz wie möglich gehalten werden und über Bord geworfen werden, sobald das eine echte Option ist.

Ich habe ein Ritual mit einem meiner besten Freunde. Jedes Jahr machen wir einen Roadtrip in Europa für etwa fünf bis sechs Tage. Erst vor ein paar Tagen sind wir von unserem letzten zurückgekommen. Wir haben jeweils in Heidelberg, Bamberg, Bad Reichenhall, Innsbruck und Lindau übernachtet. Dabei haben wir die Flüsse Rhein, Neckar, Mosel, Isar, Inn und die Donau überquert. Wir sind durch die Vogesen gefahren, durch den Pfälzerwald, quer durch Bayern, über den Großglockner und durch Tirol.
In diesen fünf Tagen haben wir vier Länder bereist. Ich werde mich vermutlich den Rest meines Lebens an jeden dieser Tage erinnern. Ich erinnere mich nämlich auch an alle anderen Tage der Roadtrips, die wir in den vergangenen Jahren gemacht haben.

Es ist klar, dass das Leben nicht ein einziges Zuckerschlecken sein kann. Aber dass man sich am Ende nur an ein paar ganz wenige Tage erinnern kann, weil es einem nicht möglich war, die vielen anderen Tage mit Sinn zu erfüllen – das kann es nicht sein.

Nachdem ich das mehr und mehr erkenne, gibt es keine Alternative mehr zur Unabhängigkeit. Sie muss erreicht werden.

Ich möchte viel mehr Zeit mit Freunden, Familie, Sport, Hobbys, Müßiggang, Bildung und vielem mehr verbringen.

Wie seht ihr das? Seid ihr da auch so fokussiert und verbissen?

Viele Grüße

der doofe Andi

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