Junge Menschen zum Investieren bringen

Hallo zusammen,

ich frage mich immer wieder mal, ob ich alles nochmal genauso machen würde, wenn ich mit dem Vermögensaufbau noch einmal neu anfangen müsste.

Meistens komme ich zu dem Schluss, dass ich vieles vereinfachen würde. Aktuell habe ich 40 Aktien, Gold und Silber, 2 Kryptowährungen und ein bisschen Cash. Klar, mittlerweile hat mich das Investorenfieber so vereinnahmt, dass ich es ein bisschen kompliziert haben möchte und mich auch gerne ausgiebiger damit beschäftige. Müsste ich aber noch einmal von vorne anfangen, bin ich ziemlich sicher, dass ich 1-2 ETFs besparen würde und mich dann in meiner Freizeit mehr mit anderen Dingen beschäftigen würde.

Meine Schwester macht es so. Sie bespart ein bis zwei ETFs und lässt es darauf beruhen. Ihre Performance ist unwesentlich schlechter als meine und sie hat VIEL weniger Stress und mit der Geldanlage.

Aber den Neustart macht man halt auch nicht nach über 10 Jahren des Investierens.

Ich müsste auf meine Einzelaktienpositionen einen Haufen Steuern bezahlen. Darüber hinaus bin ich mit meinem System auch so zufrieden und es bringt die erhofften Renditen. Dazu macht es mir eine Menge Spaß.

Ein „Neustart“ ist für mich also keine Option, aber ein unterhaltsames Gedankenspiel.

Ich befinde mich allerdings in einer Position, in der ich sehr viele Starts in den Vermögensaufbau live miterleben und begleiten darf.

In meinem Bürojob habe ich alle 4 Monate einen neuen Azubi. Männlich wie weiblich. Unsere Azubis sind meistens zwischen 19 und 24 Jahren alt, wenn sie ihre Runden in unserem Unternehmen drehen. Manche haben Abitur, die meisten einen Realschulabschluss. Sie verdienen grob 1000€ Netto bei ihrer kaufmännischen Ausbildung.

Da Investing mein größtes Hobby ist, habe ich mir selbst zur Aufgabe gemacht, den Azubis nicht nur meine Abteilung und ihren zukünftigen Beruf beizubringen, sondern ihnen auch die Chance zu geben an meinem Finanzwissen teilzuhaben. Die meisten von ihnen haben noch nicht angefangen Geld anzulegen (viele würden es ohne meinen Ansporn wohl auch noch nicht tun) und können einen Anstoß ganz gut gebrauchen. Schließlich hätte ich selbst auch gerne so früh angefangen. Gezwungen oder genötigt werden sie dabei von mir zu nichts. Ich frage sie einfach, ob sie Interesse haben sich etwas aufzubauen und für ihre Zukunft vorzusorgen.

Ein bisschen lasse ich dann etwas von meinen Erfolgen durchblitzen, damit sie sehen können, dass es sich wirklich lohnen kann. Absolute Zahlen gebe ich ihnen nicht. Vielen habe ich auch schon einmal eine Zinseszins Rechnung vorgeführt. Das zeigt ja immer eindrucksvoll wie viel man auch mit moderaten Sparraten erreichen kann.

Wenn der Azubi Lust hat, geht die Reise los. Ich lege ihnen eine Budgetierung nahe, genauso wie das Einführen einer festen Sparrate. Dazu noch das Anlegen eines Notgroschen und, ganz wichtig, immer am Anfang des Monats zu sparen. Am Ende des Monats bleibt ja doch nichts übrig.

Es erstaunt mich wirklich, aber die allermeisten beißen an und starten tatsächlich. Auch das Depot wird fast immer zügig an den Start gebracht. Die Jünglinge wollen natürlich wissen, wohinein sie investieren sollen. Die einzige echte „Empfehlung“ die ich ihnen gebe ist der Vanguard FTSE all World ETF.

Ob ACC oder DIST überlasse ich ihnen. Ich zeige ihnen aber die Option auf, zuerst den DIST zu besparen bis der Steuerfreibetrag von 1001€ ausgenutzt ist und erst danach auf den ACC umzuschwenken. Dazu lege ich ihnen noch das Buch von Finanzfluss „das einzige Buch das du über Finanzen lesen solltest“ nahe. Ich finde, dass es für Anfänger wirklich nützlich ist und dem Leser einen breiten Überblick verschafft. Zu Weihnachten habe ich es letztes Jahr auch meinen beiden Cousins geschenkt. Die beiden starten gerade ins Berufsleben. (Nicht gesponsort, nur eigene Überzeugung)

Das Buch haben sich dann tatsächlich auch einige Azubis gekauft. Gelesen haben sie es merkwürdigerweise nur selten.

Was nach dieser „Einweisung“ geschieht ist dann absolut unterschiedlich und sehr interessant.

Manche kommen schon am Tag nach der Depoteröffnung und verkünden stolz, dass sie für 20€ Rheinmetall oder für 25€ Spotify gekauft haben. Diese Kategorie von frischen Investoren macht sich direkt auf die Suche nach Geheimtipps. Es sind immer die Jungs, die sich auf den Alleingang machen. Wie nachhaltig das ist und ob sie dauerhaft beim Investieren bleiben, weiß ich nicht. Das „Tracking“ dieser Azubis ist recht schwierig, nachdem sie die Abteilung wieder verlassen haben.

Gut die Hälfte fängt aber tatsächlich mit den ETFs an und richtet sich feste Sparpläne ein, das freut mich dann immer sehr. Viele davon ziehen das auch nachdem ich sie Jahre später treffe immer noch durch.

Ein paar wenige davon haben sogar richtig angefangen für den Vermögensaufbau zu brennen. So, wie ich es auch selbst tue. Sie fangen an sich selbst zu informieren und bilden sich weiter. Für diese Leute habe ich, mit Blick auf ihre Zukunft, die größten Hoffnungen. Ich glaube man kann das nur über Dekaden durchhalten, wenn man selbst richtig überzeugt davon ist.

Es macht mir großen Spaß, jungen Menschen die Idee von Freiheit und Vermögen nahe zu bringen. Ich wünschte mir, dass ich selbst in diesem Alter jemanden gehabt hätte, der mir den richtigen Weg gewiesen hätte. Ob ich es damals angenommen hätte weiß ich allerdings nicht. Mit 20 Jahren war ich schon noch eine richtige Gurke…

Viele Grüße

der doofe Andi

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