Hallo zusammen,
momentan geht es an den Märkten ziemlich heiß her. Software-Hersteller werden massiv abgestraft weil KI wohl Software frisst. Die KI-Giganten, die angeblich die Bedrohung für die Software-Hersteller sind, werden aber auch abgestraft sobald sie ankündigen weiter in den KI-Ausbau investieren zu wollen. Gleichzeitig schmieren die Kryptos ab. Auch Silber ist „gecrasht“ und auch Gold ist nicht mehr am Allzeithoch.
In meinem Umfeld beschweren sich viele, dass ihr Depot massiv Federn gelassen hat. Die ganzen Werte, die noch vor kurzem so toll gelaufen sind, sind plötzlich auf 0 oder sogar im Minus.
Schaut man sich aber zum Beispiel mal den MSCI World an, sieht das ganze etwas anders aus. Der Weltindex ist auf Sicht von drei Monaten knapp 4% im Plus. So schlecht kann es insgesamt also nicht aussehen.

Woran liegt das?
Ganz einfach. Die meisten Leute kaufen die Aktien die in den Medien am präsentesten sind und die gerade durchs Dorf getrieben werden. Aktien, deren Namen man nur durch Tipps aus Foren oder Videos kennt, mit denen man im echten Leben aber nie Kontakt hat.
Aktien, bei denen unglaubliches Wachstum versprochen wird.
Die Basics des Investierens werden dabei meistens vergessen.
Ich habe die Buy-the-Dip App auf meinem Handy und lese da immer gerne mal die Artikel mit. Es ist hochinteressant und gleichzeitig schockierend zu lesen was da manch ein Mitleser in den Kommentaren zum Besten gibt. So erst neulich nach dem X-ten Novo-Nordisk oder PayPal Einbruch.
Viele werden wütend, weil ihnen das so nicht versprochen worden ist und suchen die Schuld dann bei jemandem, der mal positiv über die Aktie berichtet hat. Gekauft wird aber jeder Einbruch, bis kein Geld mehr da ist.
Einer hat sogar regelrecht um Zuspruch gebettelt. „Ein paar aufbauende Worte wären jetzt doch bitte wirklich angebracht!“
Die aufgebrachte Anlegerherde verfällt in eine regelrechte Stampede und rennt mit wild rollenden Augen sinnlos blökend durch die Gegend.
Gedanken über die Depotaufteilung hat man sich offensichtlich nicht gemacht. Das Denken wurde den Pferden überlassen. Klumpenrisiken werden ignoriert solange alles gut geht. Dann: Nackte Panik und Hilflosigkeit. Gekauft wurde nur was überall besprochen und als Heilsbringer angepriesen wurde. Ein einzelner Tipp von einem Experten war Kaufgrund genug.
Wie kann man das vermeiden?
Diversifizieren. Nicht alle Eier in einen Korb. Nicht alle Aktien aus der selben Branche. Nicht nur Software und Tech. Nicht nur „abgestürzte Engel“. Nicht nur Highflyer. Die Gier ein wenig im Zaum halten und auch mal ein paar Basisinvestments ins Depot legen.
Diversifizieren eben!
Ich will mich nicht selbst loben aber bei mir sieht es momentan ganz gut aus. Ich bin auch ein paar Prozente unter meinem persönlichen Allzeithoch, von einem Crash oder einer Krise kann aber nicht die Rede sein.
In meinem Depot gibt es natürlich auch Werte, die gerade fallen. Kryptos, Visa, Amazon, Microsoft, Alphabet, Booking, Robinhood. Ja, vor diesen Werten hat auch bei mir die gerade veranstaltete Hexenjagd nicht Halt gemacht.
Aber ich habe auch Werte, die sich dagegen stemmen und das ganze auffangen.
Die REITs laufen dieses Jahr dank der fallenden Zinsen gut, sind im Schnitt etwa 10% gestiegen. Das lange totgeglaubte Johnson & Johnson legt gerade richtig zu. Rio Tinto profitiert massiv vom aufkeimenden neuen Rohstoffzyklus und steigt munter weiter.
Bloom Energy wächst dank dem immer höher werdenden Energiebedarf der Rechenzentren. Aber auch meine langweiligen Dividenden ETFs legen kräftig zu. Immer wenn am Markt irgendwo viel Geld abgezogen wird, muss es irgendwo anders investiert werden. Unter das Kopfkissen gepackt werden die Milliarden nicht. Deshalb fließt gerade viel Geld in Value-Titel.
Ich bin breit genug in alle Sektoren investiert, dass ich mir bei solchen Erschütterungen nicht gleich in die Hose machen muss.
Die Burg
Ich kann jedem nur raten sein Depot wie eine Burg aufzubauen. Mit mehreren Türmen, mehreren Verteidigungslinien. Man weiß nie, aus welcher Richtung der nächste Angriff kommt. Fällt ein Teil der Verteidigung, muss ein anderer dafür einspringen.
Ein Sektor, der unter Druck gerät, darf nicht das ganze Depot mit in den Abgrund ziehen.
Ist man z.B. nur in Tech investiert, wenn Tech gerade einen richtigen Run hat, macht das natürlich Spaß. Dreht sich aber der Wind – und das kann an der Börse sehr schnell gehen – macht das gar keinen Spaß mehr und das Depot fällt wie ein Stein. Das kann man mit etwas Diversifizierung ganz einfach vermeiden. „Never lose money!“ ist Warren Buffets erste Regel. Recht hat er damit.
Lasst uns vernünftig bleiben.
Viele Grüße
der doofe Andi